Syrische Armee erobert erste Gebiete in Südsyrien

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Nachdem die Armeeoffensive in den südsyrischen Provinzen Suweida, Quneitra und Da’ara offiziell am Sonntag offiziell verkündet wurde, konnte sie bereits einen Tag später wichtige Erfolge gegen die Opposition verzeichnen. Das als „al-Lajat“ bekannte Areal soll inzwischen nahezu vollständig unter der Kontrolle der Syrisch-Arabischen Armee und verbündeter Organisationen stehen, was insgesamt etwa 15% der von den Aufständischen kontrollierten Gebiete in Südsyrien ausmacht. Ziel der neuen Militäroperation ist die vollständige Wiedereroberung des Südens, die größte Stadt Da’ara gilt dabei als der Geburtsort der „syrischen Revolution“. Im Endeffekt würden islamistische Kräfte nur noch eine relevante Präsenz in der Provinz Idlib besitzen.

Die Feldwüste von al-Lajat nimmt insgesamt eine Fläche von 400km² ein und ist nur sehr dünn besiedelt, vereinzelte Dörfer prägen die Landschaft. Aufgrund des Terrains und der ohnehin isolierten Position (nahezu umzingelt vom Territorium der Regierung) war es ein leichtes für die Armee, den einzigen Nachschubweg nach al-Lajat zu kappen, die Region zu belagern und daraufhin auch ohne größeren Widerstand zu erobern. Man ist bereits in weitere Dörfer und Städte südlich von al-Lajat darauffolgend vorgedrungen, die nun gesichert werden. Auch wenn die Offensive offiziell am 25. Juli begonnen hat gab es bereits Vorstöße und Gefechte fünf Tage früher, was auch die schnellen Erfolge erklären.

Die bisher größte und härteste Eroberung stellt die einst 13.000 Einwohner zählende Stadt Busra al-Harir. Über mehrere Tage hinweg waren umliegende Gebiete hart umkämpft und die russische und syrische Luftwaffe führten mehr als 100 Luftschläge auf die Stadt aus, wobei auch einige Zivilisten getötet wurden. Den Sieg brachte eine Nachtoperation der Eliteeinheit der „Tiger Forces“ hervor, die die Stadt stürmte und kurz darauf eroberte. Dabei wurden auch mehrere Fahrzeuge und Panzer erbeutet. Busra al-Harir liegt direkt am südlichen Grenzgebiet von al-Lajat und verläuft entlang einer wichtigen Straße zwischen Da’ara und Suweida.

Derzeit läuft die Operation südlich von Busra al-Harir nahe der nächstgrößeren Stadt al-Harik an, nur noch vier Kilometer trennen die syrische Armee und der Stadteingang voneinander. Von dort aus gibt es keine größeren Hindernisse bis zur jordanischen Grenze und dem Grenzübergang mehr.

Angeblich befinden sich mehrere Orte und Oppositionsgruppierungen derzeit in Friedensverhandlungen mit der syrischen Regierung und dem russischen Versöhnungszentrum. Demnach haben einige Städte im Südosten einer Waffenruhe zugestimmt, genauere Angaben sind dabei aber unbekannt. Es ist zu erwarten, dass bei folgenden militärischen Erfolgen oppositionelle Kräfte immer weiter gewillt sein werden, Verhandlungen zu akzeptieren und zu kapitulieren.

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Die Armee hat neben regulären Streitkräften auch Eliteeinheiten wie die „Tiger Forces“, die „Republikanische Garde“ und die 4. Division aufs Feld gebracht. Unterstützt werden sie in ihrem Vorhaben auch von einfachen Milizen wie dem Golan-Regiment, Liwa al-Quds oder Nusour al Zawba’a. Ein Ausnahmefall bildet die fehlende Beteiligung der Hisbollah und dem Iran nahe stehende Milizen, die nach angeblichen Hinterzimmer-Verhandlungen zwischen Israel und Russland sich auf eine Pufferzone einigten, wo der Iran und mit ihm verbandelte Milizen sich nicht der israelischen Grenze nähern dürfen und dementsprechend nicht in Südsyrien aktiv sein werden.

Die sogenannte „Southern Front“ im Süden Syriens war in der Vergangenheit die inzwischen wohl ruhigste, aktive Front im gesamten Konflikt. Sie ist mehrheitlich von der FSA dominiert, Islamisten erhalten aber immer mehr Zulauf. Seit den äußerst verlustreichen Offensiven im Jahre 2015 in Richtung Quneitra und schweren Kämpfen in der Stadt Sheikh Maskeen fehlt er den dortigen Einheiten eigentlich an offensiven Kapazitäten.  Dara’a selber ist seit Anbeginn des Krieges in zwei Teile geteilt. Ursprünglich war die gesamte Region Teil der Deeskalationszonen, völlig erloschen sind die Kämpfe jedoch nie. Die Ankunft der jeweiligen Verstärkungen scheinen von einem Niveau zu sprechen, welches es ansonsten nur in Aleppo oder Ost-Ghouta zuletzt gab.

 

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