Neue Kämpfe um Libyens „Ölhalbmond“

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Die feindliche Miliz konnte 21 Militärfahrzeuge in der Stadt Rasu Lainuf erbeuten

Im Zentrum Libyens liegt die rohstoffreichste Region des Landes, der sogenannte „Ölhalbmond“, welcher zum momentanen Zeitpunkt unter der Kontrolle der ostlibyschen Regierung in Tobruk steht. An dessen Spitze steht der militärische Anführer der „Libyschen Nationalarmee“, Kahlifa Haftar, welcher als der mächtigste Mann in Libyen gilt. Dort kam es nun nach monatelanger Ruhe wieder zum Ausbruch schwerer Gefechte zwischen einer örtlichen Miliz und den Streitkräften der Libyschen Nationalarmee. Der Handel mit Erdöl ist in vielen Orten dadurch zum Erliegen gekommen, dem ohnehin vom Krieg zerütteten Land drohen weitere Verluste.

Der Anführer der sogenannten Miliz der „Petroleum Facility Guard“ (PFG) Ibrahim Jodran erklärte demnach eine Offensive in der Region des Ölhalbmondes dessen Ziel die Eroberung der Raffinerien und sonstige Anlagen zur Erdölproduktion sind, darunter auch die Pipelines die das kostbare Mineralöl in die Hafenstädte in der Nähe bringt. Dabei bezeichnet er die Nationalarmee als „terroristische Einheit“, die die Bevölkerung vor Ort terrorisiert und unterdrückt. Dadurch haben sich Mitglieder des Tabu- und Maghbara-Stammes dieser Miliz angeschlossen. Tatsächlich aber sind die Maghbaras fest in den Strukturen der Tobruk-Regierung involviert, so nehmen mehrere Mitglieder wichtige militärische Rollen ein.

Angeblich genießt er seinen eigenen Aussagen zufolge die Unterstützung der von der UN anerkannten „Einheitsregierung“ im Westen des Landes, jedoch gibt es dafür keine näheren Beweise und wie in der Vergangenheit ist es wohl wahrscheinlich, dass er ähnlich einem Warlord aus reinem Eigeninteresse alleine operiert. Jodran agierte bereits in der Vergangenheit destruktiv und nicht im Interesse irgendeines Bevölkerungswillens.

In den ersten Tagen konnte die PFG mehrere Anlagen erobern und/oder zerstören, in der Nähe der Stadt Rasu Lainuf ist ein Öltank explodiert. Der Hafen der Stadt Sidra soll sich ebenso unter der Kontrolle der Miliz befinden. Dennoch ist ein langfristiger Erfolg eher unwahrscheinlich, die Petroleum Facility Guard profitiert derzeit vom Überraschungsmoment und der derzeit anlaufenden Armeeoperation in der von Islamisten gehaltenen Stadt Derna im Nordosten des Landes. Sollten erneut Ressourcen frei werden wäre eine Niederlage wohl sicher.

Das Erdöl ist im geteilten und zerstörten Libyen eine der wichtigsten und vor allem sichere Einkommensquelle für die Regierung in der Küstenstadt Tobruk. Eigentlich kündigte man erst vor kurzer Zeit einen neuen Finanzplan zur Förderung der weiteren Erdölproduktion an um ausländische Investoren heranzulocken, diese offensichtliche Instabilität wird den internationalen Markt eher abschrecken. Bis 2016 befanden sich die Anlagen unter der Kontrolle verschiedenster Milizen, darunter auch die PFG unter Ibrahim Jodran, wurden jedoch im selben Jahr von Haftars Einheiten erobert.

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