Houthis könnten letzte Hafenstadt verlieren

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An der Westküste Jemens dauert seit Wochen eine große Offensive der mit der jemenitischen Regierung unter Mansour Hadi und der südjemenitischen Unabhängigkeitsbewegung verbündeten Streitkräften gegen die Houthi-Rebellen im Norden des Landes an. Nachdem man entlang der Küste über 70 Kilometer vorrückte steht man nun vor dem letzten großen Hafen unter der Kontrolle der Houthis: Al-Hudaydah. Nicht nur würde deren Eroberung einen entscheidenden Sieg gegen die Organisation „Ansar Allah“ (Houthis) bringen, auch würde damit die letzte humanitäre Route des Nordens mit der Außenwelt gekappt werden, nachdem die mit der Hadi-Regierung verbündeten Golfstaaten das ärmste arabische Land seit 2015 belagern.

Nur noch zehn bis fünfzehn Kilometer trennen die Truppen der Armee unter Hadi, verschiedenster Stammesmilizen und der „Southern Resistance“, unterstützt von Eliteeinheiten der Vereinigten Arabischen Emirate und sudanesischen Söldnern, von der Hafenstadt, angeblich konnten sie bereits den Flughafen in der Nähe vollständig sichern. Die Houthi-Kämpfer leisten hingegen kaum Widerstand und ziehen sich größtenteils zurück, hinterlassen dabei aber etliche Minen und Sprengstoffvorrichtungen (IEDs) die auch für die Bewohner zur Gefahr werden. Derzeit geht man davon aus, dass die Houthis den Kampf in die Stadt tragen wollen, um dort durch das urbane Terrain zu profitieren und ausnutzen.

Ein Gewinner der Situation ist Tareq Saleh, der Neffe des von den Houthis im Jahre 2017 getöteten Präsident Ali Saleh. Nachdem er wegen des Konfliktes mit einer größeren Gruppe in Richtung Hadi-Territorium desertierte versucht er seitdem, seinen verlorenen Einfluss wieder aufzubauen und schafft dies durch die rigorose Unterstützung der Offensive auf al-Hudaydah. Verlierer sind hingegen Millionen von Zivilisten, die auf die humanitäre Unterstützung durch den Hafen angewiesen sind, vor allem Medizin wird darüber geliefert.

Während also die Zivilisten die Leidtragenden der Blockade sind, erhalten alle Kriegsfraktionen (und damit auch die Houthis) ihre Waffen vor allem durch die Schmuggelei über die saudische und omanische Grenze auf der anderen Seite des Landes. Dementsprechend ist der Verlust von al-Hudaydah auch militärisch einzuordnen.

Seitdem es zum Bruch der Zweckbündnisses zwischen den Houthis und dem ehemaligen Präsidenten Ali Saleh kam sehen sich die zaidisch-schiitischen Kämpfe zunehmend militärisch und politisch isoliert und müssen an mehreren Fronten Bodenverluste hinnehmen. Dennoch kontrollieren sie weiterhin die Mehrheit der Bevölkerung und fast ganz den gesamten Norden und sogar einige Landabschnitte in Saudi-Arabien an der Grenze. Der Verlust von al-Hudaydah wäre ein großer Sieg für den Süden, da man somit ein Großteil der Küste zum Roten Meer eingenommen hätte.

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