Tausend Kämpfer ziehen aus Stadt ab, übergeben Kontrolle an Regierung

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In der zentralsyrischen Stadt al-Dumayr etwa 30 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus scheint es zu einem Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen syrischer Regierung, Russland und der islamistischen Oppositionsorganisation „Jaish al-Islam“ gekommen zu sein. Diese Vereinbarung sieht die Evakuierung aller Kämpfer aus der Stadt und die Übergabe an die syrische Regierung bzw. Armee vor, wodurch es zu einer endlichen Befriedung der dortigen Region kommen könnte. Es ist dennoch unklar ob al-Dumyar vollständig übergeben wird, da sich möglicherweise auch andere Oppositionsgruppierungen vor Ort aufhalten und man sich mit ihnen bisher nicht einigen konnte.

Etwa 1000 Personen sollen mithilfe von Transportbussen in die Hunderte Kilometer weiter nördlich gelegene türkisch-syrische Grenzstadt Jarablus gebracht werden, die derzeit unter der Kontrolle der Türkei steht. Leichte Waffen können dabei mitgeführt werden, alternativ kann man auch die Generalamnestie der Regierung akzeptieren und dadurch ihr Zivilleben wiederherstellen. Kurz zuvor desertierten Kämpfer der Rebellenmiliz „Commandos of Desert“ und schlossen sich der syrischen Armee an.

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Tahrir al-Sham (FSA, nicht zu verwechseln mit der islamistischen Hayyat Tahrir al-Sham) erobert bei Muhassa einen Pick-Up der syrischen Armee

Neben der Stadt al-Dumayr befinden sich ebenfalls weitere Orte wie Ruhaybah oder Jalroud in der Qalamoun-Region unter der Kontrolle der Aufständischen. Dort scheinen aber separate Verhandlungen anzudauern, zumindest sind diese Siedlungen nicht von dem Übereinkommen betroffen. Dort scheinen die Rebellen auch wesentlich aggressiver zu sein. Eigentlich herrscht dort seit Jahren Frieden, jedoch starteten einzelne Kampfverbände in den letzten Wochen mehrere Überfälle auf Verteidigungspositionen der syrischen Armee beim Berg Muhassa, wobei mindestens ein T-72-Panzer zerstört wurden. Außerdem wurde angeblich ein syrischer Kampfjet abgeschossen.

Der Deal ähnelt demjenigen aus Ost-Ghouta, wo ebenfalls Tausende Kämpfer von Jaish al-Islam aus der Großstadt Douma nach Jarablus gebracht wurden, darunter auch Zivilisten und Familienmitglieder der transportierten Kämpfer. Derartige Verhandlungen haben eine lange Tradition im syrischen Konflikt, vor allem in der Region um Damaskus konnte so viel Blutvergießen erspart werden, nachdem (auch unter Protesten der Bevölkerung wie damals z.B. in den Städten Qusdaya und al-Haama) sich die Opposition auf einen friedlichen Abzug einigen konnte. In al-Dumyar bemühte man sich schon seit Jahren um eine solche Vereinbarung, wodurch auch eine Waffenruhe und faktisch offene Grenze zwischen Regierungs- und Oppositionsgebieten in Kraft war. Einige Zeit kooperierte man sogar gemeinsam gegen den Islamischen Staat in der Region.

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