Weiterhin kein Deal für Douma, Ost-Ghouta

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Im Zentrum von Jobar wird die Flagge der Syrischen Arabischen Republik gehisst

Die einst von der Opposition gehaltenden Enklave Ost-Ghouta nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus befindet sich inzwischen fast vollständig unter der Kontrolle der syrischen Regierung, einzige Ausnahme bildet die Großstadt Douma, welche von der islamistischen Fraktion „Jaish al-Islam“ beherrscht wird. Eigentlich soll man mehrere Einigungen errungen haben, jedoch widerspricht der offizielle Pressesprecher der Organisation derartigen Angaben. Immerhin konnten Verletzte und Kämpfer anderer Gruppierungen aus der Stadt gebracht werden. Dennoch wurden angeblich am Montag erste Kämpfer in die türkische Grenzregion gebracht.

Uneinigkeit scheint weiterhin mit Jaish al-Islam zu herrschen, seit Wochen dauern nun die Verhandlungen ohne besonderen Durchbruch an. Einzig auf den Abzug verletzter Kämpfer und Personen konnte man sich einigen, in der Vergangenheit wurden zudem Tausende Gefangene, mehrheitlich Alawiten aus Adra, entlassen. Es kam aber hingegen zu einer Einigung mit den verbleibenden Kämpfern von Faylaq al-Rahman, die nach Douma bei den Gefechten flüchteten. Diese wurden am Vortag bereits vollständig nach Idlib evakuiert. Jaish al-Islam stellt exorbitante Forderungen für eine friedliche Beilegung des Konfliktes, darunter freie Auswahl für den Abzug (z.B. in die türkisch-syrische Grenzstadt Jarablus oder Daara im Süden), schwere Waffen wie Kampfpanzer und Artillerie mitzuführen und zugleich riesige Mengen an Geld (angeblich mehrere Millionen Dollar) zu retten. Außerdem möchte man die administrative Verwaltung dem derzeitigen „Zivilrat“ übergeben und zusammen mit der russischen Militärpolizei die Bevölkerung schützen.

Die widersprüchlichen Angaben über eine Evakuierung von Jaish al-Islam aus der Stadt Douma können möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass die Islamisten nicht öffentlich ihre Niederlage zugeben möchten, da das wohl Unzufriedenheit bei der Bevölkerung in Douma als auch bei anderen Islamisten wie z.B. in der Provinz Idlib auslösen würde und sie evtl. als „Verräter“ gebrandmarkt würden. Gerade Jaish al-Islam ist aufgrund von Machtstreitigkeiten bei den restlichen Islamisten im Land verhasst, weswegen man nur einen Transport nach Jarablus akzeptieren würde.

Die anderen in Ost-Ghouta eroberten Städte wurden inzwischen wieder als „nutzbar“ erklärt, nachdem die Aufständischen vollständig evakuiert wurden. Ein Hilfskonvoi des Roten Kreuzes erreichte die umliegenden Dörfer und Ortschaften von Kafr Batna oder Hazeh und versorgte die Ansässigen. In den ganzen Gebieten wird ein riesiges Netzwerk an Tunneln (teilweise auch zum Transport von Fahrzeugen genutzt) und Gräben entdeckt und zerstört, auch mit der Hilfe von Anwohnern. UN-Angaben zufolge sind bereits 30.000 Menschen in ihre alten Wohnungen zurückgekehrt bzw. haben die Flüchtlingslager verlassen. In Ayn Terma und Jobar wurde ein riesiges Tunnelnetzwerk entdeckt, welches in einer Tiefe von etwa 35 Meter über zehn Kilometer lang sein soll und zudem mit dem Auto benutzbar ist. Ebenfalls darin waren Gefängnisse, Krankenhäuser und Kasernen gebaut, angeblich errichtet von Gefangenen.

Das syrische Fernsehen zeigt Menschen, die die Islamisten aufs Schärfste kritisieren, u.a. für die Hortung von Nahrung (in Harasta wurden riesige Lager gefunden) und Medizin, weitreichende Korruption und den Tod von mehreren Menschen, die Tage zuvor gegen sie demonstriert haben. Es kommt auch zu mehreren Familienzusammenführungen, wo nach sieben Jahren Soldaten ihre Eltern wiedertreffen. Einige Rebellen schließen sich der syrischen Armee oder weiteren Regierungsmilizen an oder akzeptieren die Amnestie und führen ein Leben als Zivilisten fort. Einige ranghohe Anführer von den islamistischen Rebellen stellten sich als Spione im Dienste der syrischen Geheimdienste heraus. Beispielsweise Bassam Dofda, ein wichtiger islamischer Rechtsgelehrter in Faylaq al-Rahman und federführend für die friedliche Übergabe der Städte Kafr Batnah und Saqba an die syrische Regierung.

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