US-Soldaten in Nordsyrien getötet – steckt die Türkei dahinter?

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US-Soldaten überblicken im Norden von Manbij Positionen der Türkei, die in Folge der Operation „Euphrates Shield“ in Nord-Aleppo gegen den IS errichtet wurden

Am Donnerstag starb jeweils ein amerikanischer und ein britischer Soldat bei einer Patrouille nahe der Stadt Manbij, der Ort befindet sich unter der Kontrolle der von den USA unterstützten kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und grenzt im Norden und Westen an das Einflussgebiet (erobert in der Operation „Euphrates Shield“) der Türkei in Syrien. Aufgrund seiner Lage westlich des Euphrats rückt es immer wieder in den Mittelpunkt zukünftiger Armeeoperationen im Nachbarland, nachdem Erdogan bereits Manbij mehrmals mit dem Ziel bedrohte, die „terroristische PKK“ aus der Region zu vertreiben, so wie man es innerhalb von zwei Monaten in Afrin getan hatte.

Der Vorfall ist insofern interessant, da der Islamische Staat höchst wahrscheinlich nicht hinter der Tat steckt, nachdem er vor rund zwei Jahren aus der Region vertrieben wurde und es seitdem zu keinerlei Aktionen durch IS-Schläferzellen gekommen ist. Stattdessen kommt es aber immer wieder zu Anschlägen und Attentaten auf wichtige SDF-Mitglieder in der Stadt, hauptsächlich ausgeführt von der oppositionellen Gruppierung Harakat al-Qayyam, die intensive Beziehungen zur Türkei pflegen soll. Es ist durchaus denkbar, dass die Türkei durch derartige Anschläge versucht, die Präsenz der USA in Manbij zumindest zu reduzieren und sich damit ein „freies Feld“ für eine Offensive auf die SDF in der Region zu geben, da die schützende Hand der USA der einzige Grund für das bisherige Ausbleiben von Angriffen der Türkei ist.

Am Tag darauf kündigte der amerikanische Präsident Donald Trump in einer Rede an, dass amerikanische Truppen „bald“ das Land verlassen werden, ein genauer Zeitpunkt wurde nicht gegeben. Es handelt sich dabei aber wohl eher um eine populistische Aussage für die eigene Bevölkerung, der Pentagon und weitere staatliche Institutionen wurden von derartigen Schritten nicht informiert und es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass die amerikanischen Pläne in Syrien bzw. dem Nahen Osten derartig über den Haufen geworfen werden. Bereits in den letzten Jahren gab es derartige Verlautbarungen, jedoch wurden sie letzten Endes nie durchgesetzt.

Zeitgleich hat der französische Präsident Emmanuel Macron Vertreter der SDF empfangen und ihnen die Unterstützung Frankreichs zugesagt. Wie es in der öffentlichen Pressemitteilung heißt, lobte Macron bei dem Treffen die Rolle der SDF gegen den Islamischen Staat. Entgegen ersten Behauptungen kündigte Frankreich aber nicht an, zusätzliche Truppen nach Nordsyrien bzw. die Region Manbij zu versenden. Angesichts der derzeitigen Situation handelt es sich um einen außergewöhnlichen Zeitpunkt für ein derartiges Statement. Die Türkei drohte hingegen, dass türkische Truppen auch nicht vor französischen Soldaten Halt machen werden bei dem Versuch, die „Terroristen“ zu verdrängen.

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