Was kommt nach Ost-Ghouta?

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Nachdem ein Ende der Operation „Damaszener Stahl“ in der Region Ost-Ghouta bei der syrischen Hauptstadt Damaskus in Sicht ist stellt sich nun die Frage, was die syrische Regierung bzw. Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündete Verbände als nächstes Zielgebiet für eine groß angelegte Offensive auserwählt haben. Dabei können sie auf verschiedene Optionen zurückgreifen, wobei sich die meisten Operation weiterhin auf den Raum von Damaskus beschränken würden, die am Ende eine vollständige Eroberung der Millionenstadt bedeuten würde. Die syrische Regierung war seit 2011 nicht mehr in einer derartig starken Position.

Derzeitige Berichte halten eine zukünftige Operation im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus am wahrscheinlichsten. In den Damaszener Vierteln al-Yarmouk, al-Qadam und Hajar al-Aswad konnten sich Sympathisanten des Islamischen Staates bisher für Jahre halten, was vor allem auf die niedrige militärische Relevanz zurückzuführen ist. Vor wenigen Wochen aber kam es zu einer Eskalation der Gewalt, nachdem sich die syrische Regierung auf eine friedliche Vereinbarung mit der Opposition im Bezirk al-Qadam einigen konnte. Diese sah die Evakuierung der dortigen Rebellen vor, wofür im Gegenzug die syrische Armee die vollständige Kontrolle übernehmen wird. Nach dem Abschluss dieser Evakuierung starteten einige Kommandanten einen übereilten Angriff auf den IS in al-Yarmouk, der daraufhin mit unerbittlichen Gegenoffensiven reagierte und inzwischen fast gänzlich das Viertel al-Qadam sichern konnte.

Ursprünglich handelt es sich bei Yarmouk um ein palästinensisches Flüchtlingslager, welches jedoch nach mehreren Jahrzehnten zu einem richtigen Viertel heranwuchs. 2015 überrannten ehemalige Oppositionskämpfer unter der Flagge des IS das Viertel fast vollständig.

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Eine weitere Chance liegt in der Provinz Da’ara, tief im Süden des Landes. Dort herrscht eigentlich eine recht erfolgreiche Waffenruhe zwischen der mehrheitlich noch „moderaten“ Freien Syrischen Armee und den syrischen Streitkräften, jedoch kamen zuletzt mehrere Gerüchte ans Licht, die eine mögliche Oppositionsoffensive auf die gleichnamige Großstadt thematisieren. Da’ara ist ähnlich wie Aleppo damals eine geteilte Stadt, die Opposition beherrscht die südlichen und östlichen Viertel der Großstadt. Im Juni 2017 starteten die Aufständischen bereits einen groß angelegte Offensive unter der Führung der islamistischen „Tahrir al-Sham“ und konnten dabei einige Viertel im Westen der Stadt (u.a. al-Mashiyah) erobern. Demnach organisiert man sich mit der Unterstützung von Saudi-Arabien und der USA in einem gemeinsamem Operationsraum.

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Angebliches Bild des abgeschossenen Kampfjets in Ost-Qalamoun

Außerdem hat sich in der vergangenen Woche eine überraschende Front aufgetan: Ost-Qalamoun. Das etwa 35 Kilometer nordwestlich von Ost-Ghouta gelegene Gebiet befindet sich seit Jahren isoliert unter der Kontrolle oppositioneller Streitkräfte und der islamistischen Jaish al-Islam, die ebenfalls in Ghouta aktiv war. Eigentlich herrschte dort seit Jahren eine Waffenruhe, man kooperierte im Kampf gegen den Islamischen Staat und es gab gar Verhandlungen über eine friedliche Beilegung und die Rückkehr staatlicher Institutionen in die Region. Mitte März starteten Truppen aber einen Angriff auf mehrere Wüstengebiete weiter nördlich, wo man angeblich Boden beim Muhassa-Areal sichern konnte und zudem einen Kampfjet und einen Panzer zerstört haben soll.

Nach eigener Darstellung handelt es sich um eine „Unterstützungsoperation“für die eingeschlossenen Kämpfer in Ost-Ghouta, jedoch gibt es auch andere Angaben. Demnach versucht man sich mit dem irakisch-syrischen Grenzübergang al-Tanf weiter südlich zu verbinden, welcher sich seit Jahren unter der Kontrolle amerikanischer Spezialeinheiten befinden. In dem Zusammenhang gibt es auch Berichte über eine Stationierung von 200 weiteren amerikanischen Soldaten mit der Unterstützung Jordaniens. Jedoch wäre der Erfolg einer solche Operation unwahrscheinlich und es kam seit Wochen zu keinen weiteren Gefechten in Qalamoun mehr.

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