Teilevakuierung von Ost-Ghouta

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündete Milizen unter der Führung der Eliteeinheiten der „Republikanischen Garden“ und „Tiger Forces“ konnten in der von der Opposition gehaltenen Enklave Ost-Ghouta nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus an mehreren Fronten vorrücken und neue Territorien erobern. Einen Monat dauert die Operation „Damaszener Stahl“ an und konnte dabei beachtliche Gewinne vorweisen, darunter die Eroberung von über 80% der Gebiete Ost-Ghoutas, die zuvor unter der Kontrolle der Opposition standen. Die Situation ist gänzlich aussichtslos für die eingeschlossenen Islamisten: Interne Aufstände, Massenflucht von Zehntausenden Menschen und die Spaltung von Ghouta in drei Teile spiegeln die derzeitige Position nieder.

In der belagerten Stadt Harasta scheint es nun nach tagelangen Verhandlungen zwischen den beiden Seiten zu einer Einigung gekommen zu sein: Die Kämpfer der islamistischen Gruppierung „Ahrar al-Sham“ vereinbaren eine friedliche Evakuierung in die von der Opposition gehaltene Provinz Idlib. Dieser Abzug wird dabei auch von internationalen Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz überwacht und unterstützt und soll insgesamt etwa 1500 Kämpfer und 6000 weitere Familienmitglieder innerhalb der nächsten 24 Stunden betreffen. Ranghohe Mitglieder begannen mit der Zerstörung des eigenen Hauptquartiers und etlicher Dokumente, die nicht in die Hände der syrischen Regierung fallen sollen. Insgesamt sind derartige Evakuierungen eine Standardprozedur im syrischen Konflikt und sind in den letzten Jahren reibungslos abgelaufen.

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In anderen Frontgebieten scheinen die Aufständische weiterhin einen militärischen Weg vorzuziehen. Nach der Sicherung der Städte Saqba und Kafr Batna konnte man in das Damaszener Viertel Harzeh vordringen und Teile davon erobern. Man kann davon ausgehen, dass es in den kommenden Tagen vollständig erobert werden könnte. Zudem konnte das sogenannte Ain-Terma-Tal weiter westlich fast vollständig unter die Kontrolle der syrischen Streitkräfte gebracht werden. In dem Zusammenhang kapitulierten mehrere Kämpfer von Ahrar al-Sham und Faylaq al-Rahman jeweils in Irbeen und Harasta. Das Hauptaugenmerk bei den derzeitigen Operationen liegt im Süden und bei der nördlichen Großstadt Douma, die nach langer Ruhe durch Artillerie- und Luftangriffe wieder getroffen wurde.

Fernab der Fronten gab es auf beiden Seite enorme Verluste unter den Zivilisten zu berichten. Angaben zufolge wurde in Ost-Ghouta ein „Untergrundkindergarten“ durch russische Kampfjets getroffen, wodurch etwa 15 Kinder umkamen. Anderen Quellen zufolge handelte es sich dabei aber auch um eine Schule, die von deutschen Organisationen wie „Adopt a Revolution“ finanziert wurden. Im Zentrum der Hauptstadt Damaskus wurden hingegen durch den Mörser- und Raketenbeschuss der Opposition rund 35 Zivilisten getötet. Angegriffen wurde ein beliebter Markt der aufgrund des anstehenden Muttertages besonders stark besucht war. Der Angriff soll vom umkämpften Ain Terma ausgegangen sein.

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Bilder vom bombardierten Markt in Damaskus

Derweil fliehen seit drei Tagen Zehntausende Menschen aus dem belagerten Ost-Ghouta durch einen „humanitären Flüchtlingskorridor“, der in Hamouriyah durch die syrischen Streitkräfte errichtet wurde. Bisher ist der Flüchtlingsstrom ungebrochen, am ersten Tag flohen Schätzungen zufolge 10.000 bis 12.000, am zweiten Tag erneut Tausende und am Samstag bisher Hunderte bis Tausende. Das russische Verteidigungsministerium hat dabei mehrere Kameras und Drohnen aufgestellt, die Liveübertragungen von diesem Korridor zeigen und behauptet, dass inzwischen 30.000 Zivilisten aus Ost-Ghouta flohen. Einige Schätzungen reichen sogar bis zu 80.000 Personen. Das syrische Fernsehen zeigt Menschen, die die Islamisten aufs Schärfste kritisieren, darunter die Hortung von Nahrung und Medizin, weitreichende Korruption und den Tod von mehreren Menschen, die Tage zuvor gegen sie demonstriert haben. Es kommt auch zu mehreren Familienzusammenführungen, wo nach sieben Jahren Soldaten ihre Eltern wiedertreffen.

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