Türkei erobert syrisches Grenzgebiet in Afrin

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Türkische Soldaten in Afrin

Seit über einem Monat dauert nun die türkische Operation „Olivenzweig“ in Syrien an, wo die türkische Armee mit verbündeten Oppositionsgruppen (TFSA) gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. amerikanisch unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vorgeht und dabei versucht, die Kurden aus der syrisch-türkischen Grenzregion zu vertreiben. Trotz Intervention regierungs-unterstützender Milizen scheint der Vorstoß der türkischen Streitkräfte bisher unaufhaltsam zu sein, nach 35 Tagen kontrolliert der Nachbar etwa 25% Afrins. Nun konnte die türkische Regierung ein strategisches Ziel erreichen und die gesamte Grenzregion von der YPG erobern. Von Tag zu Tag scheint es unwahrscheinlicher, dass die Kurden die Übermacht der türkischen Armee aufhalten können.

Unzählige Dörfer Im Nordwesten Afrins konnten in nur einem Tag erobert werden. Siedlungen wie Samalik, Sheykh Muhhamad, Bilkakli, Umranli, Bandarlik, Maydan Akbis und Kunda Dudu wurden ohne erwähnenswerte Kämpfe von den Volksverteidigungseinheiten aufgegeben und zurückgelassen. In weiten Teilen drohte eine Flankierung und Einkesselung einzelner Ortschaften, weswegen ein militärischer Rückzug befehligt wurde. Nun existiert eine geeinte Front gegen die Kurden und zudem eine Passage für die Opposition um sich frei zwischen Idlib und Nord-Aleppo zu bewegen. Zuvor war dies aber problemlos durch türkisches Staatsgebiet ermöglicht, insofern sollte diese Entwicklung keinen großen Einfluss haben.

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Das türkische Verteidigungsministerium bestätigte den Tod eines weiteren türkischen Soldaten bei Gefechten in Afrin, was die Anzahl auf insgesamt 33 erhöht. Im feindlichen Lager der „PKK“ spricht hingegen von der „Neutralisierung“ von 2059 YPG-Kämpfern, worunter Getötete, Verletzte, Deserteure und Gefangene zählen. Durch türkische Luftschläge wurden zudem mindestens zwei schiitische Kämpfer syrischer Milizen umgebracht, die vor allem in der hart umkämpften Region um Jinderes operieren. Insgesamt sollen sich etwa 250 syrische Soldaten nach Afrin begeben haben, was eher für eine symbolische als militärische Geste spricht. Allesamt wurden sie von der örtlichen Bevölkerung mit offenen Armen willkommen geheißen und es kam es zu mehreren Feiern in Afrin. Trotz derzeit eher begrenzter Unterstützung kann sich Bashar al-Assad als der „Retter der Kurden“ porträtieren, während die internationale Gemeinschaft die Unterstützung der Türkei bevorzugt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass am Ende der Operation „Olivenzweig“ ein Großteil der Territorien Afrins sich wieder unter der Kontrolle der Regierung befinden, da die YPG militärisch keine Chance hat und die einzig valide Option dann der Schutz der syrischen Regierung sein wird.

Diese Milizen sind vor allem syrischer und schiitischer Natur, dem Trend der letzten Wochen folgend geht es dabei vor allem um Kämpfer aus den schiitischen Grenzstädten Nubl und Zaahra. Bis 2016 waren beide Orte von der Opposition belagert, nur von Afrins Seite kam es zu einem regen Handel und Schmuggel von Waren über die Grenze. Dafür scheinen sie sich nun mit militärischer Unterstützung zu revanchieren. Bereits vor dem Eintritt gab es Beweise von der Präsenz schiitischer Milizen und derer Bewaffnung an den Frontlinien gegen die türkische Armee, z.B. in der Stadt Jinderes. Ihren Stützpunkt sollen sie bei der Kafrjanah-Militärbasis eingerichtet haben, welcher zuvor von Russland genutzt wurde.

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