Syrische Regierung errichtet „humanitäre Fluchtkorridore“ in Ost-Ghouta

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Überreste eines festgefahrenen Panzers, welcher bei der Offensive der Armee eingesetzt wurde

Nach ersten Erfolgen am ersten Tag der Bodenoffensive durch die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündeter Milizen in der von der Opposition gehaltenen Enklave Ost-Ghouta bei der syrischen Hauptstadt kam es ebenfalls zu Rückschlägen und immensen Verlusten, die einen Ausblick auf die kommenden Monate geben werden. Derweil versucht man ähnliche Taktiken wie damals bei der Schlacht um Ost-Aleppo einzusetzen, Russland und Syrien kündigten eigene Waffenruhen und die Errichtung von Fluchtkorridoren an, die der örtlichen Bevölkerung ohne Probleme den Abzug aus Ost-Ghouta ermöglichen soll.

Trotz der Eroberung mehrerer Dörfer im Osten der Enklave musste die syrische Armee unter der Führung der „Republikanischen Garden“ enorme Verluste verzeichnen. Schätzungsweise 50 Soldaten wurden getötet, zwei Weitere gefangen genommen und allerlei Kriegsgerät erbeutet oder zerstört. Ein T-72 wurde erobert, eine umgebaute Vsriante durch den Einsatz von Panzerabwehrwaffen zerstört. Erhebliche Probleme scheinen die starken Verteidigungsgräben zu sein, die die islamistische Gruppierung Jaish al-Islam ausgehoben hat. In einzigartiger Weise wurden Gräben errichtet, die etwa fünf Meter breit und mit Wasser gefüllt sind. Diese Anlagen sind besonders gefährlich für Panzer, die nicht ohne Weiteres diesen künstlichen „Fluss“ überqueren können.

Zudem begann man mit Angriffen an den westlichen Frontlinien, vor allem bei dem Distrikt Harasta weiter nordwestlich. Einigen Berichten zufolge konnten dort mehrere Gebäudekomplexe von der syrischen Armee erobert worden sein, hinzu kommt die Aufdeckung eines komplexen Tunnelnetzwerkes, welches für den Transport von Truppen genutzt wurde.

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Ein T-55 steckt in den Wassergräben fest, die Jaish al-Islam extra für Panzer errichtet hatte

In diesem und letztem Jahr startete die Armee mit großen Truppenkontingenten und den „Republikanischen Garden“ mehrere größere Operationen, um Damaszener Viertel wie Ayn Terma und Irbeen zu erobern, konnten aber nur einige hundert Meter vordringen und dabei enorme Verluste erleiden. Der urbane Häuserkampf ist für beide Seiten besonders verlustreich, besonders konnte die Opposition sieben Jahre lang Verteidigungspositionen errichten, besonders gefürchtet sind die komplexen Tunnelsysteme (teilweise können dadurch sogar Autos und Panzer transportiert werden) und die Tunnelbomben, die immer wieder zu großen Verlusten bei der Armee führen. Neben der starken Verteidigung besitzen die Aufständischen in Ost-Ghouta ebenfalls über den Vorteil, dass in der Vergangenheit viele korrupte Armeeoffiziere die Stellungen um Ghouta übernahmen und es zu einem regen Schmuggel an allerlei Waren kam.

Nun wurden in Ghouta Flugblätter abgeworfen, die einen von der syrischen Armee eingerichteten „humanitären Hilfskorridor“ zeigen, der ähnlich wie in Ost-Aleppo den Zivilisten eine sichere Fluchtmöglichkeit geben soll. Syrische Milizen berichteten bereits über den Beschuss von al-Wafideen ( dem Viertel wo sich der Fluchtkorridor befindet), wo mehrere Mörsergranaten eine Person getötet und 37 weitere Zivilisten verletzt haben sollen. Das russische Verteidigungsministerium kündigte in dem Zusammenhang tagtägliche Waffenruhe ein, die in einer Zeitfrist von einigen Stunden den Abzug der Zivilisten sichern sollen, beispielsweise am Dienstag von neun bis 14 Uhr. Diese einseitig erklärte Pause steht in keinem Zusammenhang zur landesweiten Waffenruhe des UN-Sicherheitsrates. Der Erfolg bleibt abzuwarten und ist eher unwahrscheinlich, bereits in Aleppo wurden diese Korridore wegen verschiedenen Faktoren nicht genutzt.

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