Die islamistische Opposition bekämpft sich erneut untereinander

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In den von der Opposition gehaltenen Provinzen Idlib und Aleppo sind erneut fraktionsinterne Gefechte um Macht und Einfluss ausgebrochen. Involviert in den Kämpfen sind Hayat Tahrir al-Sham (HTS), die dominierende Gruppierung innerhalb der Opposition und ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra, der syrische Ableger von al-Qaida. Auf der anderen Seite befindet sich das neu gebildete Bündnis mit dem Namen „Jabhat Tahrir Souriya“, welches aus Ahrar al-Sham und Harakat Nour al-Din al-Zenki besteht. Letztere wurde bis mindestens 2015 von den USA aktiv mit Panzerabwehrwaffen unterstützt und ist vor allem dafür bekannt, in Aleppo ein Kind lebendig geköpft zu haben. Al-Zenki nahm eine wichtige Position bei den Kämpfen um Aleppo ein, verschwand danach aber in die Irrelevanz. Relativ zeitgleich mit der Umbenennung von al-Nusra in Fateh al-Sham schlossen sich die übrig gebliebenen Kämpfer lose Tahrir al-Sham an, doch trennten sich aufgrund interne Dispute wieder.

Die Kämpfe finden vor allem im Norden und Westen von Idlib statt, wo beide Seiten diverse Erfolge für sich deklarieren können. Innerhalb den ersten Tagen soll es Jabhat Tahrir Souryiah gelungen sein, erstaunliche Erfolge verzeichnet zu haben und mehrere Städte erobern zu können. Darunter fallen Maarat al-Numan, Kafr Roumah, Babila, Kafranabl, Tarmaleh, Khan al-Asal und Viele mehr. Tahrir al-Sham zog sich dabei ohne besondere Kämpfe aus den Gebieten zurück, wahrscheinlich fehlt es an den nötigen Streitkräften zur Verteidigung an mehreren Orten. Dafür soll man am 24. Februar einen Gegenangriff initiiert haben, der nach derzeitigen Stand zu der Wiedereroberung von Kili, Batbu und Masrin führte. Inzwischen intervenierte auch die chinesisch-uigurische „Islamische Turkestan-Partei“ zugunsten von Tahrir, welches mittelfristig die Oberhand gewinnen könnte. Dem saudi-arabischen und von der USA als Terroristen eingestuften Prediger Abdullah al-Muhaysni zufolge kam es zu insgesamt 450 Toten, andere Quellen sprechen von etwa 200.

Denn bisher ähnelt dieser Konflikt den vorangegangenen oppositionsinternen Kämpfen wie beispielsweise zuletzt im November 2017: Durch eine neu entstandene Waffenruhe mit der syrischen Regierung bzw. Armee gibt es keinen äußeren Feind mehr, der die eigentlich zerstrittenen Parteien vereint. Tahrir al-Sham wird daraufhin zunächst von einer Blitzoffensive überrascht und muss innerhalb weniger Tage enorme Verluste einbüßen. Daraufhin kann Tahrir aber seine Kräfte konsolidieren und mit einem Gegenangriff antworten, der den Gegner meistens enorm geschwächt zurücklässt, so wie es mit Ahrar al-Sham im Juli 2017 geschehen ist. In diesem Falle wirkt aber die außergewöhnliche Dynamik vom Einfluss der Türkei mit, die natürlich Jabhat Tahrir Souriya lieber in einer Machtposition in Idlib sehen wollen, da sie wesentlich einfacher als „moderat“ verkauft werden können und auch eher auf die Türkei hören würden. Es bleibt abzuwarten wie sehr die Türkei willens ist Tahrir Souriya zu unterstützen, um an Einfluss in Idlib zu gewinnen.

4 Kommentare zu „Die islamistische Opposition bekämpft sich erneut untereinander“

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