Islamischer Staat siegt in Damaskus und Deir ez-Zor

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Zum Ende des Jahres 2017 konnte der Islamische Staat erfolgreich in seinen „Kerngebieten“ in Syrien und dem Irak bekämpft und fast vollständig besiegt werden, nur noch wenige Enklaven kann der IS vor den verschiedensten Kriegsparteien schützen. Von diesen aus starteten die Islamisten nun vermehrt Angriffe und können dabei gar einige Erfolge erzielen. In Damaskus konnte er mehrere Bezirke von der islamistischen Opposition erobern, während der Islamische Staat in der syrischen Wüste den von den USA unterstützen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) enorme Verluste zufügen und eine Offensive abwehren konnte. Dabei setzt die Terrormiliz auf den Fanatismus der inzwischen eher dem Volkssturm ähnelnden Streitkräfte und dem Einsatz eher unkonventioneller Taktiken, beispielsweise dem erstmaligen Einsatz von Frauen.

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Situation in Süd-Damaskus: Nur noch im Norden hält die Opposition einen kleinen Teil von Yarmouk

Die im Dezember gestartete Offensive gegen die von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) gehaltenen Viertel im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus führte fast zur vollständigen Eroberung dieser Bezirke im sogenannten „Yarmouk-Lager“, einem ehemaligen Flüchtlingslager für Palästinenser und inzwischen vollkommen integriertem Wohnungsviertel. Von Zeit zu Zeit konnten IS-Kämpfer im schwierigen urbanen Häuserkampf immer wieder neue Bezirke erobern, darunter al-Haifa, al-Milyoun oder al-Mashrou. Einzig al-Rijah konnte Tahrir al-Sham bisher erfolgreich verteidigen, doch es soll bereits Vorbereitungen für einen letzten Vorstoß geben.

2015 überrannten ehemalige Oppositionskämpfer unter der Flagge des IS das Viertel fast vollständig. Die noch zuvor verbündete Opposition schloss sich entweder der syrischen Armee an oder flüchtete vollständig in andere Viertel. Die danach folgenden Kämpfe waren von geringer Intensität, es gab keine Frontverschiebungen. Erst 2017 nahmen die Aktivitäten zu, die 2018 weitergeführt wurden. Zwischen der syrischen Regierung und den dortigen Aufständischen herrscht eine Waffenruhe, bis auf kurzzeitige Gefechte im Dezember kam es aber ansonsten zu keinen Kämpfen zwischen der syrischen Armee und dem Islamischen Staat.

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Eine Frau an der Front im Euphrat-Tal, Deir ez-Zor

Ein wenig anders sieht die Situation entlang des irakischen Grenzgebietes aus. Die als „Rache der tugendhaften Frau“ benannte Operation erstreckt sich über eine weite Front von den Gebieten, die der IS noch an der syrisch-irakischen Grenze kontrolliert, wodurch sowohl Deir ez-Zor als auch Wüstengebiete der Provinz Hasakeh betroffen sind. Seit Januar setzen die verbliebenen IS-Kämpfer dort unaufhörlich Selbstmordattentäter gegen Verteidigungspositionen der SDF ein, gefolgt von Angriffen. Am Freitag verkündete die offizielle IS-Nachrichtenagentur al-Hayat die Eroberung neuer Ortschaften im Euphrat-Tal, welches brutal umkämpft ist. Ein Militärkonvoi der SDF konnte überfallen werden, wobei ein Kommandant gefangen genommen wurde. Bei dem Dorf al-Bahra dauern die Kämpfe nun schon seit drei Monaten an, ohne dass eine Fraktion entscheidende Siege davontragen kann.

In einem am 7. Februar veröffentlichte Video konnten Einblicke darüber gegeben werden, auf welche Mannstärke der Islamische Staat noch zurückgreifen kann. Dabei wurden mehrere Rollstuhlfahrer (besonders oft als Selbstmordattentäter eingesetzt) und Kindersoldaten gezeigt, aber auch viele Kämpfer mit Krücken. Besonderheit war die erstmalige Zurschaustellung von Frauen, die scheinbar aktiv an der Front mitkämpften. Es handelt sich um einen klaren Bruch mit den vorherigen Traditionen und Praktiken. Hintergrund für diese Entscheidung sind wohl klar pragmatische Gesichtspunkte, da der IS auf dem kleinen Gebiet kaum mehr auf neue Kampfkraft zurückgreifen kann. Damit ähneln die derzeitigen Streitkräfte des Islamischen Staates denen des Volkssturms im Jahre 1945.

Die Offensive wurde wahrscheinlich aufgrund der günstigen Ausgangslage für den Islamischen Staat gestartet. Dabei spielen drei Faktoren eine Rolle: Die schlechten Wetterverhältnisse über ganz Syrien geben den Angreifern wichtige Vorteile bei einem Angriff, in Deir ez-Zor beispielsweise gab es einen großen Sandsturm. Zudem konzentriert sich die SDF derzeitig auf den Konflikt mit der Türkei, die angeblich kurz davor steht, eine Großoffensive auf den isolierten kurdischen Kanton Afrin zu beginnen. Dadurch befinden sich wohl noch wenige, erfahrene Einheiten an den Frontlinien in Deir ez-Zor. Ohnehin befinden sich in den südlichsten Territorien der SDF eher schwächere Streitkräfte, was vor allem auf die Abhängigkeit von arabischen Kämpfern aus der Region zurückzuführen ist. Diese besitzen meist eine schlechtere Moral und fliehen eher vor den Gefechten gegen den IS.

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