Syrische Armee dringt weiter in Idlib und Aleppo vor

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündete Milizen starteten überraschenderweise eine neue Operation in der nordwestlichen Provinz Idlib, die zuvor fast vollständig von der Opposition gehalten wurde. Am zweiten Tag der Offensive konnten erneut etliche Dörfer östlich der kürzlich gewonnen Stadt Abu Duhur erobert werden. Die Verteidigungslinien der von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) dominierten Opposition scheinen völlig zusammenzubrechen.

Nach dem gestrigen Vorstoß in der Provinz Idlib gab es diesmal vor allem Angriffe in der Provinz Aleppo, wo man mehrere Dörfer und Hügel in den fruchtbaren Qinassirin-Feldern erobern konnte, darunter Tall al-Fukhar, Tell Araqib, Wasitah, Talijinah und al-Kalamil. Mit diesen neuen Gewinnen wurde die Eisenbahnlinie zwischen Aleppo und Hama vollständig unter die Kontrolle der syrischen Regierung gebracht, was nach der Reparatur einen vereinfachten Transport von Waren und Personen zwischen den beiden Regionen ermöglicht. Außerdem wird dadurch die derzeitige Frontlinie in Aleppo begradigt.

Ein von der Opposition veröffentlichtes Video zeigt beinahe den Abschuss eines russischen Kampfjets über der Provinz Idlib. In den vergangenen Monaten kam es vermehrt zu solchen Vorfällen. Ähnlich der Situation nach der ersten Idlib-Offensive begeben sich Tausende Zivilisten auf die Flucht in Richtung der türkischen Grenze, um vor den Gefechten zwischen den beiden Seiten zu fliehen. Schätzungsweise 200.000 Menschen sind inzwischen über den gesamten Zeitraum hinweg geflüchtet.

Mit dieser Offensive werden direkt zwei Ziele erreicht: Einerseits wird Abu Duhur und der dazugehörige Militärflughafen dadurch gesichert und eine Pufferzone zu etwaigen Angriffen der Opposition aufgebaut. Zugleich wird damit die Opposition zunehmend in ihrem „Kernterritorium“ isoliert. Derzeitiges Ziel scheint die Stadt Saraqib zu sein, welche direkt an dem M5-Highway zwischen Aleppo und Damaskus liegt. Bereits vor mehreren Wochen wurden geheime Videos von den Tiger Forces veröffentlicht, die Aktivitäten von Schläferzellen in Saraqib zeigen. Nach der Eroberung der Stadt soll wahrscheinlich die Belagerung der schiitischen Städte Fuah und Kafraya aufgehoben werden. Seit drei Jahren befinden sich etwa 30.000 Menschen eingeschlossen, mit unzureichender Versorgung und werden in unregelmäßigen Beschüssen der Opposition ausgesetzt.

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Tiger Forces in Süd-Aleppo

Zudem konnte die Armee, angeführt von den Republikanischen Garden, Fortschritte im Kampf gegen den Islamischen Staat in Nord-Hama verzeichnen. Die Siedlungen Jubb Zayriq, Abyan und Abu Khanadiq wurden in Folge des Angriffes erobert. Die Kämpfe zwischen der Armee und dem IS gehen nur relativ langsam vonstatten, was wohl vor allem auf die niedrige Prioritätensetzung zurückzuführen ist. Das Territorium des Islamischen Staates ist vollständig von der Armee umgeben und beträgt eine Größe von etwa 6000km².

Ursprünglich stammt der Islamische Staat aus Ost-Hama, wo die syrische Armee ihn bedrohte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion aber überquerte er (auch mit der Unterstützung der oppositionellen Gruppierung Tahrir al-Sham, die mehrere Checkpoints entlang der Straße überfielen und verbal dazu aufrief, die Tausenden an eingeschlossenen „Zivilisten“ zu retten) die Khanaser-Straße zwischen Hama und Aleppo und erreichte sicher Oppositionsterritorium.

Doch nach wenigen Tagen hinterging der IS die Verhandlungen mit Tahrir al-Sham und schnappte sich gewaltsam mehrere Dörfer. Nach ewigen Kämpfen die zugunsten der Opposition ausfielen war das Kontrollgebiet nur noch auf zwei Dörfer begrenzt. Nachdem die Armee eine neue Offensive in Idlib startete konnte der IS von der Situation profitieren und viele Siedlungen erobern.

Daraufhin griffen die Islamisten ebenfalls das Territorium der syrischen Regierung an und konnten der syrischen Armee dabei herbe Verluste zufügen, 18 Soldaten gefangen nehmen und einen T-55-Panzer erbeuten, ihr einziges schweren Militärfahrzeug. Dabei konnte er auch drei Dörfer erobern, die zuvor unter der Kontrolle der Armee waren. Seitdem aber begann die SAA mit Gegenoffensiven und konnte bisher alle Angriffe abwehren.

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