Südjemen vertreibt Jemens Regierung aus Aden

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Der südjemenitischen Unabhängigkeitsbewegung ist ein wichtiger Sieg gegen die international anerkannte Regierung im Bürgerkriegsland Jemen gelungen. Nach mehrtägigen Kämpfen wurde die Regierung unter dem Präsidenten Mansour Hadi bzw. dem Premierminister Ahmed Bin Dagher aus der provisorischen Hauptstadt Aden vertrieben. Damit ist ein wichtiger Meilenstein für die Unabhängigkeit eines südjemenitischen Staates getan. Saudi-Arabien verliert dadurch ebenfalls einen bedeutende Basis im Jemen, immerhin verliefen zuvor durch Aden alle Lieferungen von militärischen und humanitären Gütern.

Die Einheiten der südjemenitischen „Southern Resistance“ kontrollieren nun fast gänzlich die gesamte Hafenstadt. Alle zentralen Plätze, den internationalen Flughafen, Militärbasen der „Präsidentengarde“ und den Präsidentenpalast Ma’ahiq. Besonders umkämpft waren die Viertel Dad Saad, Crater und Khor Maksar, wo sich zentrale Institutionen der Regierung befinden. Die Kämpfe sind im späteren Kriegsverlauf eskaliert, neben Panzern wurde auch die Artillerie in der Großstadt eingesetzt, wodurch auch Dutzende Zivilisten verstorben sind. Insgesamt reichen die Schätzungen auf bis zu 200 Tote von allen Seiten.

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Die rot markierten Orte zeigen umkämpfte Gebiete, die sich zuvor in der Hand der hadi-Regierung befand

Der Präsident der südjemenitischen Nationalversammlung Ahmed bin Brik berichtet von der Festnahme von etwa 200 Personen, die wegen der Mitgliedschaft von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel verdächtigt werden. Brik bestätigte auch den Sieg Südjemens in Aden nach der Eroberung des Präsidentenpalastes. Angeblich flüchteten Beamte und der Premierminister Bin Dagher kurz zuvor mit einem Helikopter aus der Stadt.

Diese internen Kämpfe fallen vor allem zum Vorteil der Houthi-Rebellen im Nordjemen auf, da beide Seiten ihre Streitkräfte von den Frontlinien zu den Houthis abziehen um die Oberhand in Aden zu gewinnen. Truppen in Taiz wurden bereits abgezogen. Die Situation ähnelt dem Geschehen in Saana, wo sich ehemalige „Verbündete“ der Houthis und Saleh-Regierung gegenseitig bekämpften und es zum Bruch zwischen den Partnern kam. In dem Falle ist aber nicht davon auszugehen, dass sich diese Kämpfe außerhalb von Aden austragen werden, dafür besteht allgemein ein zu hohes Interesse an der Bekämpfung der Houthis.

Der Konflikt im südlichen Teil des Landes ist nämlich auch ein geopolitischer Streit um Macht zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die VAE unterstützen Südjemen seit Anbeginn ihrer Existenz und schickten bereits selber Truppen nach Aden. Saudi-Arabien hingegen sichert den Halt der Hadi-Regierung, die größtenteils in Riad residiert und aus Islamisten (Islah-Partei) besteht. In Aden kam es zwischen den beiden Seiten bereits zu Kämpfen um den Flughafen und Ölraffinerien. Auf der anderen Seite kooperierten beide in anderen Landesteilen wie an der Westküste gegen die Houthi-Rebellen.

1990 vereinigte sich die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Jemenitische Arabische Republik (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen. Dies geschah in erster Linie unter der Führung des Präsidenten von Nordjemen Ali Abdullah Saleh, weshalb bis heute die politischen Eliten aus dem Norden stammen oder zumindest Verbindungen zu ihnen aufweist. Die Vereinigung geschah zu Beginn unter der Hoffnung, auch zwei relativ verschiedene Länder, deren Kulturen, Ressourcen und Menschen zu vereinen.  Doch bald kam es zur Ernüchterung, der Süden fühlte sich hintergangen und es kam 1994 zum Bürgerkrieg. Südjemen verlor jedoch den Konflikt und alle Hoffnungen auf ein föderalistisches System wurden aufgegeben. 2007 gab es zuletzt eine größere Unabhängigkeitsbewegung des Südens, die Hirak-Bewegung die kurz darauf brutal von der Saleh-Regierung niedergeschlagen wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Proteste, letzten Endes führte aber die Kriegssituation und Entlassung von al-Zubaidi aber erst zur größeren Massenbewegung in Aden.

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