Staatsstreich in Südjemen: Unabhängigkeitskämpfer jagen Regierung aus Aden

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Nach dem Auslaufen des einwöchigen Ultimatums kam es in der provisorischen Hauptstadt Aden zu schweren Gefechten zwischen Anhängern der Hadi-Regierung und südjemenitischen Unabhängigkeitskämpfern. Anlass für diese Eskalation war die Forderung des separatistischen Übergangsrates, dass sich die Hadi-Regierung innerhalb einer Woche aus dem Südjemen zurückziehen und endlich Platz für eine legitime und korruptionsfreie Regierung zu machen.

Durch die anhaltenden Kämpfe ist die Stadt wie leergefegt, öffentliche Gebäude wie Schulen oder der internationale Flughafen sind geschlossen. Ein Großteil der Straßen sind aufgrund der Errichtung von Barrikaden und Barrieren ebenfalls gesperrt. Bisher können die südjemenitischen Truppen der „Southern Resistance“ viele Bezirke der Großstadt sichern, darunter das Regierungsgebäude und mindestens eine Militärbasis der „Präsidentengarde“. Es ist zu erwarten, dass die südjemenitischen Streitkräfte die Hafenstadt bald vollständig übernehmen werden.

Beide Seite beklagen Tote, darunter auch Zivilisten. Die Southern Resistance konnte Dutzende Soldaten der gegnerischen Fraktion gefangen nehmen, da sich eine enorme Mehrheit der Bevölkerung und der Soldaten nicht mit der Hadi-Regierung identifizieren und nicht auf ihre „Brüder“ schießen wollen.

Am Tag zuvor verbat der Premierminister Ahmed Bin Dagher mögliche Proteste der Bevölkerung für ein unabhängiges Südjemen. Der Übergangsrat wirft der derzeitigen Regierung unter Mansour Hadi Korruption vor. Der Präsident lebt seit Jahren nicht mehr in Jemen, sondern residiert in der saudischen Hauptstadt Riad. Diesen Verbündeten bat er auch um diplomatisch und militärische Unterstützung in dem Konflikt.

Die Situation erinnert an Saana, die eigentliche Hauptstadt des Landes, wo die ehemaligen Verbündeten der Houthi-Rebellen und der Regierung unter dem Ex-Präsidenten Abdullah Saleh um ihre Machtposition im Norden Jemens kämpften. Die Hadi-Regierung und die südjemenitischen Kämpfer waren ebenso strategische Verbündete, die zwar einen gleichen Feind (die Houthis) haben, aber um das gleiche Einflussgebiet konkurrieren.

Der Konflikt im südlichen Teil des Landes ist nämlich auch ein geopolitischer Streit um Macht zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die VAE unterstützen Südjemen seit Anbeginn ihrer Existenz und schickten bereits selber Truppen nach Aden. Saudi-Arabien hingegen sichert den Halt der Hadi-Regierung, die größtenteils in Riad residiert und aus Islamisten (Islah-Partei) besteht. In Aden kam es zwischen den beiden Seiten bereits zu Kämpfen um den Flughafen und Ölraffinerien. Auf der anderen Seite kooperierten beide in anderen Landesteilen wie an der Westküste gegen die Houthi-Rebellen.

1990 vereinigte sich die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Jemenitische Arabische Republik (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen. Dies geschah in erster Linie unter der Führung des Präsidenten von Nordjemen Ali Abdullah Saleh, weshalb bis heute die politischen Eliten aus dem Norden stammen oder zumindest Verbindungen zu ihnen aufweist. Die Vereinigung geschah zu Beginn unter der Hoffnung, auch zwei relativ verschiedene Länder, deren Kulturen, Ressourcen und Menschen zu vereinen.  Doch bald kam es zur Ernüchterung, der Süden fühlte sich hintergangen und es kam 1994 zum Bürgerkrieg. Südjemen verlor jedoch den Konflikt und alle Hoffnungen auf ein föderalistisches System wurden aufgegeben. 2007 gab es zuletzt eine größere Unabhängigkeitsbewegung des Südens, die Hirak-Bewegung die kurz darauf brutal von der Saleh-Regierung niedergeschlagen wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Proteste, letzten Endes führte aber die Kriegssituation und Entlassung von al-Zubaidi aber erst zur größeren Massenbewegung in Aden.

4 Kommentare zu „Staatsstreich in Südjemen: Unabhängigkeitskämpfer jagen Regierung aus Aden“

  1. ziemliche Schande für den Westen, wenn man einen von niemanden gewählten Staatspräsidenten „Hadi“ finanzierte, für Kriege gegen die Houdis, was Ethnische Säuberungen und Massenmord ist

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