Türkei verliert gegen Kurden in Afrin

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Seit fast einer Woche dauern nun die türkische Operation „Olivenzweig“ in Syrien an, wo die türkische Armee mit verbündeten Oppositionsgruppen (TFSA) gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. amerikanisch unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vorgeht und dabei versucht, die Kurden aus der syrisch-türkischen Grenzregion zu vertreiben. Nach ersten Erfolgen in den ersten Tagen scheint sich nun die Situation weiter und weiter in ein Fiasko zu verfahren, sollte der derzeitige Trend weitergehen. Eine traurige Bilanz für die türkische Armee.

Die Gefechte zwischen den beiden Seiten sind inzwischen nur noch regional begrenzt, im Norden wechseln wenige Dörfer in Ping-Pong-Manier täglich den Besitzer, im Süden und Osten kann die YPG bisher alle Angriffe erfolgreich abwehren. Einzig im gerade gebirgigen Westen ist die türkische Armee nach wie vor auf einem sehr langsamen, aber stetigem Vormarsch. In der Nähe der Stadt Rajo werden sich brutale Kämpfe geliefert, wo die TFSA & Armee bisher mehrere Hügeln gewinnen konnten. Im Norden bei den Dörfern Shaykh Khwaruz, Heftaro und Ebudane gibt es das bereits erwähnte Hin und Her zwischen der YPG und TFSA. Dies zeigt aber vor allem die Fähigkeit der Volksverteidigungseinheiten, den Vorstoß auszubremen und teilweise abzuwehren. Derzeit befinden sich die umkämpften Orte Kurin und Shaykh Khwaruz nach einer nächtlichen Gegenoffensive unter der Kontrolle der YPG.

Generell scheint sich die Situation festgefahren zu haben, die türkische Armee konnte somit etwa acht bis neun Dörfer in einer Woche sichern. Ein wichtiger Faktor in den letzten Tagen war das Wetter, starker Regen und Nebel, der natürlich dem Verteidiger diverse Vorteile verleiht. Dieser Faktor ist aber nun ebenfalls seit einem Tag verschwunden und es gibt bisher keine neuen Initiativen seitens der türkischen Regierung, einen neuen Vorstoß in Afrin zu starten.

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Am 25. Januar besuchte Erdogan das Operationshauptquartier der Operation „Olivenzweig“

Im Gegensatz dazu gab es auf internationaler und diplomatischer Ebene enorme Veränderungen und Ereignisse. Nach einem Telefonat zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinem türkischen Gegenpart Erdogan begann die Türkei mit Luftangriffen auf das von der SDF gehaltene Manbij. Der entscheidende Unterschied zu Afrin: Die USA besitzen Tausende Soldaten in der Region um Manbij und schickt unregelmäßig Aufklärungstrupps zu den Frontlinien. In dem Gespräch soll sich Trump für eine Restriktion der derzeitigen Militäroperation eingesetzt haben. Das türkische Präsidialamt hingegen widerspricht dieser Darstellung und es soll nur zu einem Gedankenaustausch gegangen sein. Nichtsdestotrotz beweisen die kurz darauf folgenden Angriffe das angespannte Verhältnis und die Machtlosigkeit der USA, die derzeit stattfindenden Ereignisse zu stoppen.

Wesentlich bessere Beziehungen scheinen nun wieder die syrische Regierung und die YPG zu führen, nachdem die YPG die syrische Regierung aufgrund des fehlenden Schutzes für Afrin vor einer Luft- und Bodenoperation als „Verräter“ bezeichnet haben. Nach tagelangen Gerüchten und Falschmeldungen verkündete die Autonomieregierung in Afrin in einer Mitteilung die Forderung, dass die syrische Regierung ihre Verantwortung folgen und den syrischen Luftraum für türkische Kampfjets schließen sollte. Weitergehend sagten sie, die Region ist ein integraler Bestandteil des syrischen Staates und Seperationsbefürwortungen nicht unterstützt werden. Im Gegenzug wird dafür nichts angeboten.

Russland verhält sich weiterhin recht neutral. Entgegen den anfänglich falschen Berichten besitzt die russische Armee und Militärpolizei weiterhin in Präsenz im Kanton Afrin. Nur wurden diese Truppen näher an die Grenze zum Regierungsgebiet gebracht, sie sollen derzeit nahe Tel Rifaat stationiert sein, wo es auch bisher auch noch zu keinen Angriffen seitens der TFSA gekommen ist.

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56. Regiment macht sich zum Einsatz in Afrin bereit

Die militärischen Zahlen zwischen den beiden Seiten sind sich erstaunlich ähnlich. Die Volksverteidigungseinheiten sprechen selber von 21 getöteten YPG-Kämpfern, während man selber 308 Soldaten der TFSA und türkischen Armee getötet haben soll. Die türkische Armee bestätigte den Tod von drei eigenen Soldaten und einem Dutzend von syrischen Rebellen. 280 YPG-Kämpfer wurden hingegen demnach nach fast einer Woche „neutralisiert“. Beide Angaben sind natürlich übertrieben bzw. untertrieben für die eigenen Verluste, einzig das türkische Verteidigungsministerium scheint darüber transparent zu sein, wie viele Soldaten sie verloren haben. Dritte Quellen berichten von etwa 50 bis 60 getöteten YPG- und TFSA-Kämpfern, drei türkischen Soldaten und Dutzenden von toten Zivilisten, die vor allem durch die Türkei verursacht wurden. Es gibt derzeit einige Gerüchte, dass etwa acht weitere türkische Soldaten möglicherweise in Afrin getötet wurden.

Beide Seiten kompensieren die Verluste mit dem Erreichen neuer Einheiten und Gruppierungen aus ihren Heimatregionen. In den letzten Tagen und Wochen wurden immer mehr türkische Spezialeinheiten in der Nähe der syrischen Grenze gesichtet, die mithilfe von Transportflugzeugen ihr Ziel erreichten. Darunter befindet sich beispielsweise das 56. Regiment „Bingöl“, welches bereits in der Vergangenheit erfolgreich gegen die PKK in der Türkei operieren konnte. Ihre Erfahrung im gebirgigen Terrain wird in den Bergregionen von Afrin sehr hilfreich sein. Die YPG/SDF hingegen erhielt von Nordostsyrien reguläre Unterstützung und auch internationale, kommunistische Kampfverbände. Die Einheiten nutzten das syrische Regierungsterritorium im Norden der Provinz Aleppo, welches Afrin und das restliche Gebiet der SDF miteinander verbindet. Es stellt den einzigen Weg zu Afrin dar, die restlichen Gebiete werden von der Türkei oder mit ihnen verbündeten Gruppierungen kontrolliert.

Einen Großteil der Vorstöße übernehmen syrische Rebellen, die vor allem aus den Gebieten in Nord-Aleppo rekrutiert wurden. Darunter befinden sich islamistische bis moderatere Kräfte, die dortigen Interessengruppen  eint aber vor allem die Korruption und die türkische Finanzierung. Namhafte Gruppierungen sind beispielsweise Sultan Murad, Hamza Division, Faylaq al-Sham oder Jaish al-Nokhba. Interessanterweise veröffentlichte Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra, syrischer al-Qaida-Ableger) am Mittwoch ebenfalls ein Statement, wo sie ihre Beteiligung bestätigten. Demnach soll Tahrir al-Sham zwei Orte bei Qal’at Sam’an von der YPG wiedererobert haben, nachdem diese eine Offensive gestartet haben.

Veröffentlichte Bilder zeigen aber auch involvierte Spezialeinheiten der türkischen Streitkräfte und weitere Divisionen, die die Aufklärungsarbeit, Artillerie und Panzer übernehmen. Wie bereits bei der Operation „Euphrates Shield“ sind deutsche Leopard A2-Panzer an der Offensive beteiligt. Der Islamische Staat konnte dabei erfolgreich zwei Panzer dieses Typs erbeuten und später zerstören. Am ersten Tag wurde durch eine abgefeuerte Panzerabwehrwaffe ebenfalls ein Leopard-Panzer leicht beschädigt. Ansonsten sind lediglich einige von der Türkei spendierte Militärfahrzeuge wie der Panthera F9 oder ACV-15 auffällig, die bereits fernab den Kämpfen in Afrin gegen die syrische Armee verwendet wurden.

2 Kommentare zu „Türkei verliert gegen Kurden in Afrin“

  1. hahahaha wovon träumt ihr bergaffen ? die türkei geht langsam aber sicher vorran… oder dachtet ihr wie bomben alles was sich bewegt wie usa ? ohne zivil und terrorist zu unterscheiden ?

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