Islamischer Staat siegt in Idlib

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IS-Kämpfer in der Nähe eines Dorfes, welche sie von der Armee erobert haben

Nach seiner Vertreibung aus den „Kerngebieten“ im Irak und Syrien bleiben dem Islamischen Staat nur noch wenige Enklaven im Levante, die größtenteils um die eigene Erhaltung kämpfen und sich nicht für die Eroberung neuerer Gebiete interessieren. Einzige Ausnahme bildet der IS in den Provinzen Hama und Idlib, wo er in den Wirren einer Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) auf die Opposition als lachender Dritter hervorgeht. In den vergangenen Wochen konnte er Dutzende Dörfer erobern, Dutzende Soldaten und Kämpfer gefangen nehmen oder töten und erstmals seit 2014 wieder eine Präsenz in Idlib aufbauen, dessen Aktivitäten sich zuvor nur auf geheim operierende Schläferzellen beschränkten. Nun konnte er sein Kontrollgebiet von ehemalig zwei Dörfern auf über 50 Ortschaften ausbauen.

Besonderes Problem stellt der Islamische Staat in Idlib, vom Islamischen Staat als „Wilayat Idlib“ bezeichnet, für die Armee und Regierung dar, da sie die derzeit stattfindende Operation gegen die islamistischen Aufstände bedroht. An den westlichen Frontlinien hat die Opposition eine Gegenoffensive gestartet, während an der östlichen Front der IS die Nachschubwege der syrischen Armee auf dem Weg nach Abu Duhur, dem angeblichen Ziel der Regierungsoffensive, bedroht. Bisher beschränken sich die Gefechte zwischen Armee und IS-Kämpfern eher auf personelle und materielle Verluste, während nur wenige Dörfer von den Islamisten erobert wurden.

Die wenigen Ortschaften beschränken sich auf ein kleines Gebiet östlich der Stadt Sinjar, durch die ein vitaler Nachschubweg verläuft. Unter diesen befinden sich al-Juhman, Saraa, Suray’a. Derzeitige Frontlinien sollen etwa drei bis fünf Kilometer östlich von Sinjar liegen, im Vergleich zu den vorherigen Tagen stellt dies eine ernsthafte Gefahr dar. Die syrische Armee ging hingegen eher in der Provinz Hama gegen ihn vor, wo er die Dörfer Umm Sarij, Hasnawi oder Umm Miyal gewinnen konnte. Bei diesem Vorstoß wurden viele Panzer der syrischen Armee von Panzerabwehrwaffen zerstört, wie veröffentlichte Bilder beweisen.

Da die Region in Ost-Idlib und Nord-Hama bedroht wird von der syrischen Armee vollständig eingekreist zu werden (es gibt nur noch einen kleinen, zwei Kilometer breiten Fluchtkorridor bei Abu Duhur), flohen alle Einheiten der Rebellen weiter nach Idlib oder desertierten und schlossen sich dem Islamischen Staat an, schätzungsweise besteht seine Stärke dort aus etwa 500 bis 1000 Kämpfern. Aufgrund dieser Situation konnte der Islamische Staat sein Gebiet vervielfachen und über 50 Orte ohne Widerstand erobern, zuletzt soll er am Donnerstag 25 Dörfer gesichert haben.

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Islamischer Staat erbeutet einen T-55 von Liwa al-Quds

Die Armee hat aus diesen Gründen die größten Verluste zu verkraften, möglicherweise auch weil das Militär nicht von einem geschwächten und isolierten IS-Gebiet einen Angriff erwartete. Innerhalb weniger Tage konnte die Terrormiliz über 17 Soldaten gefangen nehmen und höchst wahrscheinlich auch exekutieren. Am Donnerstag verlor die syrische Miliz Liwa al-Quds einen Panzer, welcher damit das erste schwere Fahrzeug in den Händen des IS in Idlib ist. Weitere Panzer und Schützenpanzer wurden zerstört, mehrere Pick-Ups ebenfalls erbeutet und/oder zerstört.

In Syrien ist der Islamische Staat damit nur noch in Idlib auf dem Vormarsch. Ursprünglich stammt er aus Ost-Hama, wo die syrische Armee ihn bedrohte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion aber überquerte er (auch mit der Unterstützung der oppositionellen Gruppierung Tahrir al-Sham, die mehrere Checkpoints entlang der Straße überfielen und verbal dazu aufrief, die Tausenden an eingeschlossenen „Zivilisten“ zu retten) die Khanaser-Straße zwischen Hama und Aleppo und erreichte sicher Oppositionsterritorium.

Doch nach wenigen Tagen hinterging der IS die Verhandlungen mit Tahrir al-Sham und schnappte sich gewaltsam mehrere Dörfer. Nach ewigen Kämpfen die zugunsten der Opposition ausfielen war das Kontrollgebiet nur noch auf zwei Dörfer begrenzt. Nachdem die Armee eine neue Offensive in Idlib startete konnte der IS von der Situation profitieren und viele Siedlungen erobern

 

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