Islamisten setzen erneut zum Gegenangriff in Idlib an

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Trotz ausbleibender Erfolge versucht die syrische Opposition weiterhin, die groß angelegte Offensive der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) in der nordwestlichen Provinz Idlib aufzuhalten und verloren gegangene Gebiete wieder zurück zu erobern. Nach mehreren Tagen scheint die Gegenoffensive erste Gewinne zu verzeichnen: Entlang den westlichen Frontlinien konnte die Opposition mehrere Dörfer erobern und zumindest für einen Tag halten. Zuvor waren einige Dörfer stets umkämpft und wechselten in Ping-Pong-Manier innerhalb weniger Stunden immer wieder den Besitzer. Nun könnte eine neue Dynamik entstanden sein, wo die Aufständischen an Boden gut machen. Abzuwarten bleibt aber dennoch, ob sie diese Fortschritte auch konsolidieren und verteidigen können.

Auf einer Breite von etwa 20 Kilometern startete die vereinigte Opposition erneut den Versuch, den Vormarsch der syrischen Armee aufzuhalten. Nach bisherigen Stand konnten sie dabei im Osten von Abu Duhur die Dörfer Zifr Zaghir, Zifr Kabir und Haysah erobern. Hier ist vor allem Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) aktiv und konnte somit die Gefahr für Abu Duhur zumindest ein wenig abmindern.

Weiter südlich konnten die Rebellen zum wiederholten Male die Orte Khuwayn al-Khabir, Atshan (zum dritten Male innerhalb von zwei Tagen), Mashayrfah Shamaliyah, Tell Maraq, Abu Omar, Suruj, Sham Hawa erobern. Anzumerken ist dabei die hohe Chance, dass sich die erwähnten Dörfer wieder unter der Kontrolle der Armee befinden, da sich die Grenzen stündlich verändern.

Denn die Opposition setzt inzwischen nicht mehr auf die übliche Eroberungstaktik, sondern eher auf „Hit & Run“ um den Gegner möglichst viel Schaden zuzufügen und in seiner Offensive zu verlangsamen. Dieses „Ping-Pong-Spiel“ erinnert an die Situation in Nord-Aleppo von 2015/16, wo der Islamische Staat und die Aufständischen sich bekämpften und einige Dörfer bis zu 14 Mal in einem kurzen Zeitraum ihren Besitzer wechselten. Ob diese Taktik aber auch erfolgreich sein wird bleibt abzuwarten, die Opposition konnte zwar der Armee schweren Schäden materiell und personell zufügen, aber es genügen bisher nicht die Kräfte um den Vorstoß in Idlib aufzuhalten.

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Islamische Turkestan-Partei erbeutet in Khuwayn al-Khabir einen T-62M

Die syrische Armee hat einige Verluste zu verzeichnen, Rebellen haben mindestens 16 Soldaten gefangen genommen. In einem unbekannten Dorf kapitulierten mehrere Soldaten, wurden jedoch kurz darauf direkt exekutiert. Die Armee verlor mehrere Transporter und Panzer, teilweise zerstört oder erbeutet. Darunter befinden sich vor allem Schützenpanzer des Typs BMP-1 und reguläre Panzer wie der T-62 oder auch T-54. Die Opposition soll angeblich insgesamt 70 Kämpfer verloren haben, hinzu kommen vier Panzer und Dutzende Fahrzeuge, die wiederum erbeutet wurden (unbestätigten Berichten zufolge auch das Panzerfahrzeug „Panthera F9“ aus den Vereinigten Arabischen Emiraten). Die russischen Luftstreitkräfte bombardierten feindliche Stellungen und scheinen ihre Angriffe intensiviert zu haben. Inzwischen scheint die vollständige russische Luftwaffe in Syrien sich auf die Gebiete in Idlib zu konzentrieren.

Besonders interessant bei dieser Gegenoffensive sind die involvierten Gruppierungen. Neben den bereits erwähnten islamistischen Tahrir al-Sham und Ahrar al-Sham gibt es ebenfalls „moderatere“ Kräfte wie Jaish al-Nasr, die 1th Coastal Division (FSA), Jaish al-Nokhba (FSA), die aktiv von der Türkei unterstützt werden. Videos zeigen sogar türkische Militärfahrzeuge wie den Panthera F9, welcher von Faylaq al-Sham operiert wird. Mehrere Stunden später veröffentlichte Videos zeigen zumindest ein derartiges Fahrzeug, welches von der syrischen Armee gesichert wurde. Ebenfalls aktiv ist Nour al-Din al-Zenki (bekannt für ihre Enthauptung eines Kindes in Aleppo) und die international als terroristisch eingestufte chinesische „Islamische Turkestan-Partei“ oder die tschetschenische Ajnad al-Kavkaz.

Zum Ende des Jahres 2017 begann die syrische Regierung mit einer groß angelegten Offensive auf Idlib, die letzte Provinz in Syrien, welche größtenteils von der (islamistisch dominierten) Opposition gehalten wird, darunter solche mit guten Beziehungen zu al-Qaida oder aus China, Zentralasien oder dem Kaukasus. Zunächst konnte die Armee beeindruckende Erfolge innerhalb weniger Wochen verzeichnen und stieß auf wenig Widerstand. Erst die Gegenoffensive wendete die Situation, ein Ausgang ist bisher nicht klar ersichtlich.

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Der Islamische Staat kann aus der Situation wie üblich als Sieger hervorgehen. In den letzten Tagen veröffentlichten offizielle Nachrichtenkanäle wie AMAQ oder al-Hayat immer wieder neue Videos, Bilder und Berichte über die Gefangennahme von etlichen syrischen Soldaten und der Erbeutung von Waffen und Fahrzeugen. Südlich des Flughafens Abu Duhur sollen sie zehn Soldaten an einem Tag gefangen genommen haben, über den Verlauf der letzten Tage sind es somit insgesamt 16 Soldaten der Armee und Kämpfer regierungsverbündeter Milizen. Neun Weitere sollen bei Kämpfen getötet worden sein.

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In der Provinz Hama wurden Bilder veröffentlicht, die die Zerstörung mehrerer Panzer in der Nähe von Abu Kahf zeigen. Das Dorf war bereits in den vergangenen Tagen Schauort brutaler Gefechte zwischen dem Islamischen Staat und der SAA. Die Armee konnte die umliegende Siedlung Talabah und den Hügel Tal Mutilat sichern, welcher eine wichtige erhöhte Position ist.

Der Islamische Staat nutzte den Konflikt zwischen Armee und Opposition aus und eroberte mehrere Dörfer in Süd-Aleppo, nachdem sie von der Opposition verlassen wurden. In zwei Tagen in Folge wurden erstmals Berichte und Videos von offiziellen IS-Medien aus der Region veröffentlicht. Sie zeigen gefangen genommene (jeweils vier und ein) Soldaten, die angeblich nahe Abu Duhur überfallen worden sein. Damit kontrolliert der Islamische Staat weite Teile des zukünftig eingekreisten Gebietes.

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