Bevorstehender Angriff der Türkei auf Afrin?

04.04.17 - 1 (1)
Gelb ist das Gebiet der SDF/YPG in Afrin, blau das Kontrollgebiet der Türkei in Syrien

In Ankara werden wieder die Kriegstrommeln gerührt, der türkische Präsident Erdogan bedroht erneut das von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) und der YPG gehaltene Afrin-Kanton im Nordwesten Syriens. In der neuen alten Kriegsrhetorik werden die „Terroristen der YPG/PKK“ dazu aufgerufen, zu kapitulieren oder ansonsten innerhalb der nächsten Woche eliminiert zu werden. Auch wenn diese Worte nichts ungewöhnliches sind, diese Drohung von Erdogan sogar mindestens monatlich verwendet wird, gibt es in diesem Falle einige Indikatoren für einen ernsthaft geplanten Angriff der türkischen Armee auf Afrin.

Denn bereits in den letzten Tagen ist der Beschuss durch Kampfjets und Artillerieangriffe immer öfters vorgekommen. Zwei Luftschläge sollen die Versorgungsstraße zwischen Afrin und Jinderes getroffen haben, wo eine Brücke zerstört wurde. Schwere Artillerie soll verschiedene Verteidigungspositionen der YPG angegriffen haben, als Reaktion darauf beschoss die YPG wiederum andere Stellungen in Nord-Aleppo.

Türkische Medien und Einwohner der Region vermelden immer wieder Sichtungen von neuen Militärkonvois an der syrisch-türkischen Grenze, darunter auch schweres Kriegsgerät wie Panzer. In der türkischen Provinz Hatay werden Diese dann entweder in das kontrollierte Gebiet in Nord-Aleppo, welches sich unter der Kontrolle der syrischen Opposition und Türkei durch die Operation „Euphrates Shield“ befindet, oder nach Idlib, wo man dank Verhandlungen mit der islamistischen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) eine Pufferzone zwischen Afrin und Idlib einrichten konnte, gebracht.

Diese Einfluss- und Kontrollgebiete bedeuten eine zunehmende, gewollte Isolation von Afrin: Im Norden und Westen befindet sich die Türkei, im Osten das Gebiet von „Euphrates Shield“ und im Süden die Pufferzone. Einzig im Südosten gibt es eine relativ kleine Verbindung zur syrischen Regierung, welche recht gute Beziehungen zueinander unterhalten.

Aufgrund der isolierten Lage von Afrin war es der USA nicht möglich einen Einfluss zu gewinnen, wodurch neue Optionen vor allem für Russland geöffnet wurden. Russland soll inzwischen mindestens zwei Militärbasen in der Region betreiben, Eines davon dient zugleich als Ausbildungsort für YPG-Kämpfer. Aber auch die syrische Regierung kooperierte mit Afrin, bei der Aufhebung der Belagerung von den schiitischen Orten Nubl und Zaraa startete man gemeinsam eine Offensive auf die Opposition, die beiden Fraktionen einen Gebietsgewinn brachte. Am Ende übergab die Regierung sogar freiwillig Orte wie Ahras an die YPG, die genauen Gründe sind unbekannt.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s