Islamisten starten Gegenoffensive in Idlib

In der nordwestlichen Provinz Idlib starteten oppositionelle Streitkräfte eine groß angelegte Gegenoffensive gegen die vorrückende Syrisch-Arabische Armee (SAA). Es ist eine Reaktion auf die enormen Fortschritte der Armee, weite Gebiete der Provinzen Idlib, Hama und Aleppo von der Opposition unter die Kontrolle der syrischen Regierung zu bringen. Bisher schien dieser Vorstoß unhaltbar, überraschend stießen sie bisher auf sehr wenig Widerstand. Dies änderte sich mit dem Erreichen der Stadt Abu Duhur und dem dazugehörigen Militärflughafen; am frühen Morgen startete Hayat Tahrir al-Sham (HTS, ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) eine Operation zur Verteidigung der Luftwaffenbasis. Im Verlaufe des Tages stießen etliche weitere Gruppierungen hinzu, derzeit wird an der gesamten westlichen Front gekämpft.

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Derzeitige Vorstoßversuche der Opposition auf die neulich eroberten Gebiete in Idlib

In den Dörfern Atshan, Khuwayn al-Khabir, Ard al-Zuzur, Tall Maraq, Abu Umar und al-Hamdaniyah soll es besonders zu intensiven Gefechten gekommen sein. Beide Fraktionen beanspruchen diese Orte jeweils für sich, bisher gibt es keine eindeutigen Beweise dafür, dass die Opposition diese Dörfer erfolgreichen wiedererobern konnte. Angeblich wurden Einheiten von Ahrar al-Sham in Atshan von den Eliteeinheiten der „Tiger Forces“ überrascht und mussten hohe Verluste beklagen.

Im Norden bei Abu Duhur gibt es ebenso widersprüchliche Angaben. Tahrir al-Sham soll seit Donnerstag große Truppenkontigente in die Stadt geschafft haben, um dann zum passenden Zeitpunkt die Offensive zu unterstützen. Darunter sollen sich auch mehrere Selbstmordattentäter, Autobomben (SVBIED) und amerikanische Panzerabwehrwaffen (TOW) befinden, die bisher nicht bei der Verteidigung eingesetzt wurden.

Es gibt einerseits Berichte über keinerlei Gebietsverluste, andere Quellen hingegen reden von der erfolgreichen Rückeroberung mehrere Dörfer nahe Abu Duhur, wodurch sich derzeitige Soldaten der Armee etwa wieder fünf Kilometer von Abu Duhur entfernt befinden (verglichen zu den wenigen Hunderten Metern zuvor).

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Panthera F9 unter der Kontrolle von Faylaq al-Sham in Süd-Idlib

Besonders interessant bei dieser Gegenoffensive sind die involvierten Gruppierungen. Neben den bereits erwähnten islamistischen Tahrir al-Sham und Ahrar al-Sham gibt es ebenfalls „moderatere“ Kräfte wie Jaish al-Nasr, die 1th Coastal Division (FSA), Jaish al-Nokhba (FSA), die aktiv von der Türkei unterstützt werden. Videos zeigen sogar türkische Militärfahrzeuge wie den Panthera F9, welcher von Faylaq al-Sham operiert wird. Mehrere Stunden später veröffentlichte Videos zeigen zumindest ein derartiges Fahrzeug, welches von der syrischen Armee gesichert wurde. Ebenfalls aktiv ist Nour al-Din al-Zenki (bekannt für ihre Enthauptung eines Kindes in Aleppo) und die international als terroristisch eingestufte chinesische „Islamische Turkestan-Partei“ oder die tschetschenische Ajnad al-Kavkaz.

Die syrische Armee hat einige Verluste zu verzeichnen, Rebellen habe zumindest einen BMP-Transportpanzer erbeutet und 16 Soldaten gefangen genommen. Eine Anzahl an bisher getöteten Soldaten gibt es nicht, es sollen schätzungsweise „Dutzende“ (versus mindestens 30 bis 50 bei der Opposition) sein. Die russischen Luftstreitkräfte bombardierten feindliche Stellungen und scheinen ihre Angriffe intensiviert zu haben.

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Nichtsdestotrotz konnte die SAA und verbündete Milizen an einer Front wenige Kilometer östlich neue Erfolge erzielen: Westlich der Stadt Khanaser konnte man die Dörfer Umm Khan und Umm al-Amad Qabli erobern und dadurch nur noch die Entfernung zu den eigenen Truppen nahe Abu Duhur auf sieben Kilometer verringern. Sollten sich beide Seiten treffen würde das einen völlig eingekreisten Islamischen Staat bedeuten.

Der Islamische Staat nutzte diese Gefechte aus und eroberte mehrere Dörfer in Süd-Aleppo, nachdem sie von der Opposition verlassen wurden. Die semi-offizielle Nachrichtenagentur AMAQ veröffentlichte erstmals ein Video, welches vier gefangen genommene Soldaten der syrischen Armee zeigt. Die offizielle Nachrichtenagentur des Islamischen Staates bestätigte derartige Berichte. Diese sollen nahe Abu Duhur überfallen worden sein, was die Größe des beherrschten IS-Territoriums nahezu verdoppeln würde.

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