Übergriffe auf kurdische Journalisten und Oppositionspartei – ein Toter

Mehrere Büros der kurdischen Oppositionspartei „Gorran“ wurden in der letzten Nacht angegriffen und in Brand gesteckt, nachdem sich der Abgeordnete Raboun Marouf in einer Rede vor dem Parlament negativ über den derzeitig amtierenden Präsidenten Masoud Bahrzani äußerte. Bereits dort verdrängten andere Parlamentarier und Journalisten ihn vom Rednerpult, es gab verbale Streitigkeiten.

Am späteren Abend eskalierte die Situation wieder, erneut war Marouf davon betroffen. Nachdem ein wütender Mob von Bahrzani-Unterstützern das Parlament stürmte musste er und weitere Gorran-Abgeordnete sich verbarrikadieren und mehrere Stunden ohne Hilfe ausharren. Eigenen Aussagen zufolge prügelten 10 bis 15 Demonstranten für eine Stunde auf ihn ein, da er sich nicht für seine Kritik gegenüber Bahrzani entschuldigen wollte. Beweise gibt es bisher nicht dafür. Nach vier Stunden konnten alle Parteiabgeordnete gerettet werden.

Währenddessen steckten Unbekannte mehrere Büros der Oppositionspartei in Brand, darunter die Gebäude in Zahko und Duhok. Der irakisch-kurdische TV-Sender NRT wurde ebenfalls angegriffen, mehrere Fenster wurden eingeschlagen.

Ebenfalls getroffen hat es die rivalisierende „Patriotische Union Kurdistan“, zusammen mit der KDP von Bahrzani die beiden großen Parteien in Kurdistan, die von ihren jeweiligen Familien gelenkt werden.In Duhok wurde ebenfalls ein Parteigebäude und eine Radiostation zerstört und ausgeraubt. Die PUK hat gute Beziehungen zum Iran und soll geheime Deals mit der irakischen Regierung beschlossen haben, wodurch die Peschmerga der PUK sich aus Kirkuk zurückgezogen hatte.

Der größte Vorfall war jedoch der Tod eines Kameramannes, der von einer unbekannten Person mit einem Schwert erstochen wurde. Der 54-jährige Arkhan Sharif wurde demnach im Süden der Provinz Kirkuk bei Daquq getötet. Vier weitere Personen sollen seine Familie für mehrere Stunden festgehalten haben. Derzeit ist ungeklärt, ob hier ein Zusammenhang zu den sonstigen Vorfällen im irakischen Kurdistan gibt.

Seit dem Unabhängigkeitsreferendum des irakischen Kurdistans und des bis dato andauernden und erfolgreichen Rückeroberungsfeldzuges der irakischen Armee von der seit 2014 durch kurdische Streitkräfte besetzten Territoriums im Norden des Landes ist die Situation im Land äußerst kritisch, da verschiedene Interessengruppen Andere für das Versagen schuldig machen. Hinzu kommt der Rücktritt des Präsidenten Bahrzani ab dem 1. November.

 

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