Rakka vom Islamischen Staat befreit

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Die gesamte nordsyrische Großstadt al-Raqqah wurde von der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) befreit, die hauptsächlich aus der kurdischen YPG und einigen arabischen Milizen besteht. Die Operation in der Stadt startete anfangs Juni und war die erste wirkliche urbane Auseinandersetzung der SDF gegen den Islamischen Staat. Beide involvierten Seiten und Zivilisten wurden mit Opfern in dreistelliger Höhe bei den Kämpfen konfrontiert.

Die Gefechte waren von verschiedenen Phasen geprägt, zu Beginn der Operation schien der Islamische Staat sichtlich überrascht von den Fortschritten der SDF gewesen zu sein und konnte nur wenig Widerstand leisten und die ersten Viertel an den östlichen und westlichen Enden schnell verlieren. Daraufhin schien der IS sich zu reorganisieren und ein Niveau aufzubieten, welches man in anderen „urbanen Höllen“ wie Mossul oder Tirkit kannte. Ein komplexes Tunnelsystem, Fallen, Minen und weitere improvisierte Sprengstoffe, Scharfschützen, Selbstmordattentäter (SVBIEDs) und der relativ innovative Einsatz von bewaffneten Drohnen.

Nur am Ende ging es relativ schnell, während man am 20. September „lediglich“ 80% kontrollierte, konnte der Islamische Staat nur mithilfe von Evakuierungen vom Zentrum und Norden der Stadt vertrieben werden. Das Viertel al-Amin mit dem großen Stadion und dem Krankenhaus als letztes Hauptquartier waren das verbliebene Restterritorium des Kalifats in Raqqah. Die letzten verbliebenen Kämpfer des Islamischen Staates wurden durch Verhandlungen zwischen der SDF und der USA nach Deir ez-Zor gebracht. Die USA hat einen ähnlichen Deal zwischen dem Islamischen Staat und der libanesischen Regierung im August scharf kritisiert und hielt den IS-Konvoi sogar mit Luftschlägen auf.

Die Schwäche des Islamischen Staates macht sich auch in ihrer medialen Berichterstattung bemerkbar. Jeden Monat sank die Anzahl an veröffentlichten Videos und Fotos, sowohl von der offiziellen IS-Nahrichtenagentur al-Hayat, als auch vom semi-offiziellen AMAQ. Von 54 Fotos im Juni waren es im September lediglich Acht, die Hälfte davon widmete sich lediglich der Lobpreisung von getöteten „Märtyrern“. Der Einsatz von Selbstmordattentätern hat sich ebenso verringert. Letzte Meldungen sprachen immer wieder von fünf getöteten „PKK-Kämpfern“, eine beispiellos niedrige Zahl für die ansonsten so inflationären Angaben von AMAQ.

Seit Beginn der Militäroperation zur Befreiung Raqqahs im November letzten Jahres im Umkreis der Stadt waren die Truppen der SDF immer weiter auf die Großstadt vorgerückt und im Juni erreicht. Raqqah war einst das administrative Zentrum des IS in Syrien, doch bereits vor der Offensive wurden die Institutionen in die Kleinstadt al-Mayadin verlegt. Im IS-Territorium in Raqqah sollen noch etwa 10.000 bis 25.000 Zivilisten verharren, Zehntausende flüchteten bereits und wurden in Flüchtlingslagern untergebracht.

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