Irakische Armee auf dem Vormarsch gegen die Peschmerga

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Einwohner von Yaiji (Kirkuk) zelebrieren das Eintreffen von irakischen Truppen

Dem irakischen Verteidigungsministerium zufolge konnten die irakischen Streitkräfte und verbündete Gruppierung die Stadt Tuzu Kharmatu vollständig sichern und von der Peschmerga erobern. Die etwa 120.000 Einwohner zählende Stadt war bereits vor der Offensive der irakischen Armee auf Kirkuk immer wieder Plänkeleien zwischen den Einwohnern und der Peschmerga ausgesetzt, da die mehrheitlich schiitischen Turkmenen nicht unter der Regierung des irakischen Kurdistans leben wollen. Am frühen Morgen war Tuzu der einzige Ort, wo ernsthafte Kämpfe berichtet wurden. Die Großstadt befindet sich etwa zehn Kilometer südlich von Kirkuk.

Die irakischen Streitkräfte, bestehend aus regulären Einheiten und Spezialkräften, und verschiedene Milizen attackierten die Stadt auch mit der Unterstützung von Artillerie und schwerer Waffen, wie z.B. dem amerikanischen M1-Abrams-Panzer. Es gibt Berichte über Verluste, dennoch sind sie nicht genau zuzuordnen. Mehrere Peschmerga-Kämpfer wurden in der Stadt festgenommen.

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Neben der Eroberung von Taza Khurmatu verkündet der irakische Operationraum ebenfalls die Befreiung der strategisch wichtigen K1-Luftbasis direkt nordwestlich von Kirkuk. Dies würde einen bedeutenden Vorstoß westlich der Stadt bedeuten und die Stadt selber bedrohen. Angeblich wurden dabei auch mehrere Helikopter der Spezialeinheiten eingesetzt, die kurz darauf bereits auf dem Luftwaffenstützpunkt landeten.

Außerdem wurden nordöstlich von K1 die ersten Ölfelder erobert, namentlich Babagurgur und die dazugehörigen Ölraffinerien. Es sieht immer mehr danach aus, dass die irakische Regierung kein Interesse an Kirkuk an sich hat, dafür aber an den Ölfeldern und der wichtigen Infrastruktur in der Region.

Innerhalb der Stadtgibt es eine regelrechte Demoralisierungswelle, viele Kämpfer der Peschmerga fliehen mithilfe von Fahrzeugen aus der Stadt. Viele Kämpfer fühlen sich von den internationalen Mächten, vor allem der USA und Israel, verraten. Die Peschmerga der politischen Partei PUK verkündete bereits heute früh ihren Abzug aus Kirkuk, wahrscheinlich existiert ein Deal mit der irakischen Zentralregierung. Diese nahmen auch Einiges an Kriegsgerät mit, darunter wurde eine Haubitze von den Peschmergakräften der KDP (herrschende Partei) beschlagnahmt. Möglicherweise kam es bereits zu Reibereien zwischen den beiden Seiten. Einige Einheiten der PUK-Peschmerga wurden von Einwohnern auf ihrem Rückweg mit Steinen beworfen.

Ohnehin scheint die Moral der kurdischen Bevölkerung in Kirkuk ziemlich hoch, zumindest den Interviews der kurdischen Medien zufolge. Seit heute früh stehen viele Bewohner Schlange, um sich bewaffnen zu können. Diese lediglich mit einer Waffe ausgerüsteten Zivilisten errichten dann Checkpoints oder machen sich mithilfe von überfüllten Truppentransportern auf den Weg zur Front. Die PKK ruft ebenfalls zur Mobilisierung auf, die scheinbar inzwischen ebenfalls eine Präsenz in Kirkuk hat.

Im Zuge des Referendum für die Unabhängigkeit des irakischen Kurdistans im September unter dem Diktator Bahrzani eskalierten die Beziehungen zur Regierung in Bagdad. Die relativ ölreiche Provinz Kirkuk befindet sich seit 2014 unter der Kontrolle der Peschmerga, nachdem sie von dort den Islamischen Staat vertrieben hat. Kirkuk und viele weitere Orte gehören damit nicht zum de jure-Territorium des irakischen Kurdistans.

 

 

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