Südjemenitische Unabhängigkeitsbewegung erklärt eigenes Parlament

Der südjemenitische Übergangsrat unter dem ehemaligen Gouverneur von Aden Aidaroos al-Zubaidi deklarierte heute die Etablierung einer Nationalversammlung. Dieser Schritt ist entscheidend für die Zukunft der südjemenitischen Unabhängigkeitsbewegung, die seit dem Mai dieses Jahres immer weiter an Fahrt gewinnt.

Am 14. Oktober, dem Unabhängigkeitstag Jemens von der britischen Herrschaft, gingen Tausende Einwohner der provisorischen Hauptstadt Aden auf die Straße und protestierten für eine Unabhängigkeit Südjemens. Symbolisch dazu traf sich der südjemenitische Übergangsrat bestehend aus 24 Mitgliedern zusammen und debattierte über weitere Schritte für eine Unabhängigkeit Südjemens. Dabei wurde ein Parlament beschlossen, welches über die „südlichen Provinzen“ regieren soll und aus 300 Mitgliedern bestehen wird. Außerdem bekräftigte man nochmal die Haltung, gegen terroristische Gruppierungen wie z.B. al-Qaida zu kämpfen, die Territorien im Südosten des Landes halten.

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Die Internationale Haltung gegenüber Südjemen ist kompliziert, die Vereinigten Arabischen Emirate sind bisher das einzige Land, welches bereits zu Beginn Sympathien für Südjemen zeigte und selbst Truppen in Aden stationiert hat. Al-Zubaidi setzte sich für Verhandlungen mit Saudi-Arabien ein, Diese unterstützen aber die Hadi-Regierung, welche den Großteil Südjemens regiert, aber wenig Unterstützung genießt und in Riad residiert. Der Westen und die Rivalen im Norden äußerten sich bisher noch nicht.

1990 vereinigte sich die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Jemenitische Arabische Republik (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen. Dies geschah in erster Linie unter der Führung des Präsidenten von Nordjemen Ali Abdullah Saleh, weshalb bis heute die politischen Eliten aus dem Norden stammen oder zumindest Verbindungen zu ihnen aufweist. Die Vereinigung geschah zu Beginn unter der Hoffnung, auch zwei relativ verschiedene Länder, deren Kulturen, Ressourcen und Menschen zu vereinen.  Doch bald kam es zur Ernüchterung, der Süden fühlte sich hintergangen und es kam 1994 zum Bürgerkrieg. Südjemen verlor jedoch den Konflikt und alle Hoffnungen auf ein föderalistisches System wurden aufgegeben. 2007 gab es zuletzt eine größere Unabhängigkeitsbewegung des Südens, die Hirak-Bewegung die kurz darauf brutal von der Saleh-Regierung niedergeschlagen wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Proteste, letzten Endes führte aber die Kriegssituation und Entlassung von al-Zubaidi aber erst zur größeren Massenbewegung in Aden.

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