Türkei hat KEINE Offensive in Nordsyrien gestartet

Trotz immenser, medialer Berichterstattung starteten türkische Streitkräfte und verbündete Einheiten der Freien Syrischen Armee bisher keine Bodenoffensive auf die Provinz Idlib, welche von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter dem Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra, al-Qaida-Ableger) dominiert wird. Im Gegenteil, zwischen einer diplomatischen Delegation der Türkei und Tahrir al-Sham kam es in den letzten Tagen zu kurzen und geheimen Verhandlungen. Das wirkliche Augenmerk liegt im Kampf gegen die SDF/YPG bzw. Kurden in dem Kanton Afrin.

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Teile der Mauer entlang der syrischen Grenze werden entfernt

Es gab erste Anzeichen einer tatsächlichen Invasion der türkischen Armee und seiner Verbündeten auf Idlib, nahe der Atmeh entfernten mehrere Baufirmen Teilstücke des Grenzwalls entlang der syrischen Grenze. Es gab mehrere Gerüchte über Kämpfe nahe Aqrabat und Babisqa, welche sich aber nicht bewahrheitet haben. Über die vergangenen Monate wurden immer mehr Truppenkontigente der türkischen Armee zur syrischen Grenze bei Idlib gebracht. Selbst Erdogan verkündete in einer Rede, es finde derzeit eine „sehr wichtige Operation“ in Idlib statt. Demnach sollen die verbündeten Einheiten der FSA bzw. TFSA alleine eine Offensive gestartet haben, er dementierte jegliche Beteiligung türkischer Einheiten. Russland soll dabei Luftunterstützung geben.

Die Tatsachen am Boden sprechen jedoch eine andere Sprache: Es gibt keinen einzigen Kampf zwischen den beiden Seiten. Lediglich ein Konvoi von drei Fahrzeugen und türkischen Diplomaten wurde von mehreren Pick-Ups begleitet, welche klar zu Tahrir al-Sham gehören (siehe Video). Das Ziel war das Dorf Dayr Siman, etwa 15 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt und nahe dem von den Kurden regierten Gebiet Afrin.

Der Afrin-Kanton befindet sich in der nordwestlichsten Ecke des Landes. Im Norden und Westen befindet sich die Türkei, deren Aktionen sich bisher an den Grenzen auf einem Mauerbau und Sperren beschränkten. Im Süden befindet sich die Provinz Idlib, die von islamistischen Gruppierungen wie Ahrar al-Sham oder Tahrir al-Sham beherrscht werden und die SDF abgrundtief hassen. Dort kam es in der Vergangenheit zu kleineren Plänkeleien, die jedoch nie ein größeres Ausmaß annahmen. Im Osten liegt das Gebiet des „Euphrates Shield“, dem Operationsgebiet der TFSA und Türkei.

Angeblich ging es bei den Gesprächen zwischen den beiden Fraktionen um die Kontrolle nahe dem Afrin-Kanton, welche die Türkei beherrschen will um den Einfluss der USA/YPG einzudämmen. Auch wenn die Türkei verschiedene Deals mit dem Iran und Russland abgeschlossen hat und Diese die Bekämpfung von Tahrir al-Sham und der Etablierung einer „Deeskalationszone“ in Idlib vorsieht, so niedrig ist das Interesse an Kämpfen, an den die beiden Seiten als Verlierer herausgehen würden.

Die TFSA besteht aus verschiedenen Gruppierungen, die sich vor allem aus Milizen zusammensetzen, die sich zur FSA gehörig zählen. Bekannte Vertreter sind die Hamza und Sultan Murad Division, die ebenfalls von der USA unterstützt wurden. Allesamt sind sie im Territorium in Nord-Aleppo aktiv, dass die Türkei vom Islamischen Staat abgerungen hat. Viele Teile flohen aus Idlib, nachdem sie für ihren Widerstand gegen Tahrir al-Sham und die Unterstützung der Türkei verfolgt wurden. Auch wenn sie „moderater“ als viele Gruppen in Idlib erscheinen, sind sie keineswegs als „Freiheitskämpfer“ bekannt. Besonders Nord-Aleppo ist von Korruption und täglichen Entführungen betroffen.

 

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