Der Kampf um die Umgebung von Deir ez-Zor

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Nach den Erfolgen der syrischen Regierung in der Provinz Deir ez-Zor und dem Ende der Belagerung in der gleichnamigen Provinzhauptstadt dauern die Kämpfe um die Umgebung von Deir ez-Zor statt. Seit rund einer Woche führt die von der USA unterstützte SDF und andere Milizionäre ebenfalls eine Offensive gegen den Islamischen Staat in der Region fort, jeweils auf der nördlichen oder südlichen Seite des Euphrats.

Verschiedenen Berichten zufolge erreichte die SDF fast den Euphrat am Dorf al-Husayniah, welches direkt nördlich von Deir ez-Zor liegt. Auf einem relativ dünnen Gebiet drang man etwa 40 Kilometer vor, eroberte vereinzelte Dörfer, Felder und die vor dem Krieg neu geplante Industriezone von Deir ez-Zor. Dieser dünne Korridor ist interessant, da er quasi parallel zu den Fortschritten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) agiert und dem ein großes Territorium des Islamischen Staates weiter östlich entlang des Euphrats isoliert.

Das eingeschlossene Gebiet ist von keiner besonderen, strategischen Bedeutung, dennoch gibt es einige Dörfer und Städte mit dem administrativen Zentrum von Maadan. Die SAA und verbündete Stammesmilizen drangen vor einigen Monaten bis auf wenige Kilometer nahe Maadan vor, wurden aber durch eine große IS-Offensive zurückgeschlagen und bis nach Ghanem al-Ali zurückgeworfen. Dementsprechend gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass viele IS-Kämpfer in dem Gebiet eingeschlossen sind, darunter auch sehr gut ausgebildete und trainierte Islamisten. Einziger Fluchtweg verbleibt über den Euphrat, der jedoch ins Visier der Luftstreitkräfte so ziemlich aller Nationen gerät.

Neben den Fortschritten der SDF konnte die SAA ebenfalls einige Erfolge verzeichnen, vor allem östlich und westlich der Großstadt Deir ez-Zor. Im Osten drang man bis zum Dorf Jafra vor, laut einigen Berichten wird es dort zu Landung der SAA und verbündeter Einheiten über den Euphrat kommen. Ebenfalls wurde das Ölfeld al-Nishan erobert. Außerdem wurde Jabal Turdah vollständig gesichert, nachdem es durch amerikanische Luftschläge und eines IS-Angriffes im Oktober 2016 verloren wurde. Es ist gut möglich, dass der Militärflughafen vor Ort wieder funktionstüchtig gemacht werden könnte.

Mehr Erfolge gab es hingegen im Westen, also in dem eigentlich vom IS isolierten Territorium. Nach dem Durchbruch durch die jahrelangen Verteidigungslinien eroberte man Baghiliyah und die örtliche Universität. Einigen Angaben erreichte man dort ebenfalls den Euphrat, was aber nicht bestätigt ist.

Die entscheidende Frage wird aber die Option einer möglichen Landungsoperation der SAA auf der anderen Seite des Euphrats sein, der unweigerlich zur Konkurrenz mit der ansonsten größtenteils kooperierenden SDF führen würde. Wichtiges Ziel dabei sind die Ölfelder dutzende Kilometer östlich von Deir ez-Zor, die damit auch auf der nördlichen Seite des Flusses liegen. Auch wenn der Ölexport Syriens vor dem Krieg drastisch abgenommen hat und man sogar Importeur war, sind die Omar-Ölfelder von besonderer Bedeutung, da sie zuvor etwa 50% des produzierten Erdöls bereitstellten.

 

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